bsonders BAYERISCH - Wiesn Spezial

Hier finden Sie die folgenden Artikel:

Um unnötig langes Scrollen zu vermeiden, einfach auf den Button klicken und sie springen direkt zum Text. 


03. Oktober - das Gschäft mit dem Vergnügen

Die Vergnügungs- und Fahrgeschäfte auf der Wiesn

bsonders BAYERISCH Artikel - Das Geschäft mit dem Vergnügen

Wenn man Sie fragen würde: Wie hört sich die Wiesn an? Wie wäre Ihre Antwort?

Viele Menschen, die durcheinander reden? Viele Menschen, die durcheinander singen? "Ein Prosit der Gemütlichkeit" oder "Atemlos"?

Lassen Sie uns ein Experiment machen. Sollten Sie in den nächsten Tagen auf der Wiesn sein, stellen Sie sich mitten rein. Egal zu welcher Uhrzeit und schließen Sie die Augen. Was hören Sie?

Genau! Kreischende und schreiende Menschen. Natürlich auch anderes. Stimmengewirr und Musik, aber eben auch viel Gekreische und Geschrei. 

Nein hier geschieht kein Unglück.

Es handelt sich dabei um die Reaktionen der Besucher auf die halsbrecherischsten Fahrgeschäfte, die die Wiesn nun einmal zu bieten hat. Und das hört man. Auch die starke Männerwelt lässt einen Schrei los, wenn man im Sky Fall 80 Meter(!!!) in die Tiefe fällt.

Blick auf die Wiesn im 19. Jahrhundert
Blick auf die Wiesn im 19. Jahrhundert

Jetzt stellen Sie sich die Wiesn im Jahr 1818 vor.

Damals zogen die ersten "Vergnügungsgeräte" auf der Wiesn ein. Von Fahrgeschäften konnte noch keine Rede sein. Wie auch, ohne Elektrizität. Bei diesen ersten Geräten auf der Wiesn handelte es sich um ein Karussell und zwei Schaukeln.  

Naja, es ging damals auf dem Münchener Oktoberfest  nicht um den Adrenalinkick schlechthin, sondern eigentlich um ein Pferderennen. 

Die ersten Vergnügungsunternehmer waren die Wirte. Nachdem sich ihre hölzernen Getränke- und Wurststände von der Bretterbude zu kleinen Lokalen entwickelt hatten, mussten sie sich irgend etwas überlegen um die Gäste bei Laune und in ihrem Einzugsgebiet zu halten.

Sie schmückten ihr Buden mit Fahnen, Tannenzweigen oder Tapeten und boten sogar ein paar witterungsbeständige Plätze. 

Für die allgemeine Belustigung wurden Spiele abgehalten. Die Gäste wurden zum Sacklaufen oder Hosenrennen animiert. Man stellte geschälte Baumstämme auf, an denen die jungen Burschen sich messen konnten, indem sie versuchten an ihnen heraufzuklettern.

Baumstammklettern
Baumstammklettern

War die Kletterpartie erfolgreich, durften sie sich aus den Preisen, die an deren Spitzen angebracht waren etwas aussuchen.

Kegeln
Kegeln

Einige Wirte bauten Kegelbahnen oder Tanzflächen auf. Beide hat man 1867 wieder abgeschafft, da sich sowohl in den einen wie auch in den anderen Lokalitäten immer wieder Schlägereien entfachten. 

Kinderkarussel
Kinderkarussel

Auch ein Bolzschießstand, sowie Akrobaten, Seiltänzer und Kunstreiter unterhielten in den ersten Jahren des Oktoberfestes die Gäste. Es dauerte allerdings bis in die zweite Hälfte des 19.

Jahrhunderts bis die Schau- und Vergnügungsbuden wuchsen und zu einem festen Bestandteil der Wiesn wurde.

1899 wurden schon Plätze für 12 Fotobuden, 15 Schießbuden, 5 Schiffschaukeln und 6 Karussells versteigert. Ja Sie haben richtig gelesen. Die Plätze wurden versteigert. Jedoch war mit diesem Modell der Platzvergabe schnell wieder Schluss. Die Veranstalter hatten zwar mit der Versteigerung eine neue und ausgiebige Geldquelle aufgetan, waren aber nicht immer zufrieden mit dem Aussehen und der Seriosität der Schausteller, die ihren Platz ersteigert hatten. 

Werbeplakate für Schaugeschäfte auf der Wiesn
Werbeplakate für Schaugeschäfte auf der Wiesn

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich wohl nichts so stark auf der Wiesn, wie das Vergnügungsangebot. Anfangs genügten Schaukel und Karussell, dressierte Hunde und Affen oder andere Tiere aus fernen Ländern.

Es wurden Menschen mit außergewöhnlichen Körpergrößen und abnormen Gliedmaßen ausgestellt. Starke Männer fuhren auf halsbrecherischen Motorrädern. Man sah sich die ersten bewegten Bilder an oder ließ sich fotografieren.

Doch die Vergnügungen wurden immer schneller und höher.

Der Besucher wollte und will das auf der Wiesn erleben, was er zu Hause beziehungsweise im Alltag nicht erleben kann. 

Jede Stadt hat heutzutage einen Zoo oder Kinos, von Fotoapparaten ganz zu schweigen. Auch fahren wir immer schnellere Autos oder Motorräder.

Aber wer kann schon im Alltag gefahrenlos 80 Meter in die Tiefe fallen?

Auf eine vergnügliche und friedliche Wiesn!

Die Wiesn heute
Die Wiesn heute
bsonders BAYERISCH Logo


29. September 2018 - Wiesnbier

DAs wichtigste Getränk im Oktober

bsonders BAYERISCH Artikel - Das Wiesnbier, ein Märzen im Oktober

Was wäre das Oktoberfest ohne eine kühle Maß Bier?
Eigentlich undenkbar oder?
Doch während jedes Jahr viele Millionen Liter des weltbekannten Gebräus (2011 waren es 7,5 Millionen Liter) in die durstigen Kehlen der Wiesnbesucher fließen, sind die Regeln und ihre Geschichte wohl eher weniger bekannt.
Das Bier auf der Wiesn, das sogenannte Oktoberfestbier, ist eine geschützte Marke und immer ein wenig stärker als die normale  Halbe, die man das ganze Jahr über kaufen kann. Der Grund hierfür liegt wie immer in der Geschichte.

Durch die bayerische Brauordnung von 1539 war es den Brauern auch im 19. Jahrhundert noch verboten, Bier zwischen dem 23. April und dem 29. September, also in den Sommermonaten, zu brauen.

Warum gerade diese krummen Daten  und nicht vom 1. eines Monats bis zum 1. eines anderen?

Man wählte die Ehrentage zweier bekannter Heilige zur Festsetzung der Fixpunkte aus. Den heiligen Georg im Frühling und den heiligen Michael im Herbst. Zwischen diesen beiden Feiertagen war das gefahrlose Brauen nicht möglich. Durch die hohen Temperaturen, die man beim Sieden in den Braukesseln benötigte stieg das Risiko von Bränden stark an. Da sich die meisten Brauereien innerhalb der Stadtgrenzen befanden konnte aus diesen Bränden schnell Großbrände werden. Die Städte und ihre Bewohner waren in Gefahr.  

Also war das Bierbrauen während der Sommermonate absolut tabu! Da man aber nicht ein ganzes halbes Jahr auf das geliebte Bier verzichten konnte, mussten Biervorräte angelegt werden.

Es gab noch keine Kühlschränke oder Kühlhäuser, weswegen man sich anderer Möglichkeiten bediente um das Bier haltbar zu machen.

Der Monat März war quasi die letzte Chance ein Bier zu brauen.

Damit das Bier diese lange Periode unbeschadet überstand, wurde die Stammwürze erhöht, die später die Stärke des Bieres bestimmte. Somit waren die Brauer in puncto Haltbarkeit bis zum Herbst auf der sicheren Seite, denn Alkohol konserviert ja bekanntlich.

Das nun entstandene, stärkere Bier wurde aufgrund seines Herstellungsmonats "Märzen" genannt. Übrigens ist es zwar stärker als normales Bier, aber kein Starkbier(!).

Also wurde auf der Ur-Wiesn ein Märzen ausgeschenkt und manche Brauereien machen das bis heute. 

Wer aber nun glaubt, dass jede Brauerei sich für die Wiesn anmelden kann, der irrt. Nur sechs Münchener Brauereien habe das Privileg das eigens gebrautes Oktoberfestbier auf der Wiesn auszuschenken! Dabei müssen sie unter anderem ihren Sitz innerhalb der Münchener Stadtgrenzen vorweisen können. Diese Wiesnbrauereien sind heutzutage: Augustiner, Hacker-Pschorr, Paulaner, Spaten, Löwenbräu und das Hofbräu. Nur diese besitzen die Erlaubnis ein original Oktoberfestbier auf dem berühmtesten Volksfest der Welt dem internationalen Publikum zu servieren. 

Ist heutzutage das Bier von der Wiesn nicht mehr wegzudenken, kann man sich irgendwie nicht vorstellen, dass sich zu Beginn der Wiesntradition nicht alles um das kühle Blonde drehte. Spielte es anfangs nur eine Nebenrolle, wurde es erst im Laufe der 200 Jahre zum festen und unverzichtbaren Bestandteil des Volksfestes. Obwohl es 2018 mit ca. 11,00 € pro Maß ziemlich teuer ist (1910 kostete die

Maß noch für 38 Pfennig), trinken dann doch auch die gediegenen Besucher eine Maß auf der Wiesn. Es gehört eben einfach dazu.

Erhielt man das Bier anfangs nur in einem Steinkrug wurde dieser seit 1899 immer mehr durch den gläsernen Bierkrug ersetzt. Aber nicht aus optischen Gründen. Einige Besucher hatten immer mehr das Gefühl, dass die Wiesnwirte ihre Gäste, auf gut bayerisch, "bscheissen" indem sie nicht eine komplette Maß ausschenkten sondern ein bisschen weniger. Allerdings mit viel Schaum bis an den Rand. Gut für den Wirt, schlecht für den Gast. Deswegen gründete sich 1899 der Verband zur Bekämpfung des betrügerischen Einschenkens, den es übrigens nach wie vor gibt. Durch den durchsichtigen Krug, sah und sieht der Gast sofort ob die Maß voll ist!

Auch in diesem Jahr wurde die Wiesn wieder um Punkt 12.00 Uhr ihres ersten Veranstaltungstages eröffnet. Der Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter tat, wie alle Oberbürgermeister Münchens seit 1950, sein Bestes und zapfte vor den Augen der Weltöffentlichkeit das erste Fass Wiesnbier mit nur zwei Schlägen an. Seit 1980 erhält die allererste Wiesnmaß der bayerische Ministerpräsident. Erst dann darf dieses spezielle Bier mit einer langen Tradition an die Besucher des Münchener Oktoberfestes ausgegeben werden. 

Na dann Prost!

bsonders BAYERISCH Logo


26. September - Die bayerische Tracht

viel mehr als nur KLeidung

bsonders BAYERISCH Artikel - bayerische Tracht, mehr als nur Kleidung

Max als Kronprinz
Max als Kronprinz

Bereits bei seiner Hochzeitsfeier im Jahr 1842, wuchs das Interesse des Kronprinzen und späteren Königs Max II. an der bayerischen Tracht.

Auch seine Vermählung war, wie schon die seiner Eltern am 12. Oktober, am Namenstag aller Maximilians, abgehalten worden. Es war die Zeit des Oktoberfestes, das sich nach 32 Jahren etabliert hatte.

In diesem Jahr wurden zu Ehren seiner Heirat mit Prinzessin Marie von Preußen 35 Brautpaare, aus unterschiedlichen Regionen Bayerns, samt Hochzeitslader, Familien und all ihrer Gäste auf die Wiesn eingeladen. Der "Hochzeiter"-Zug umfasste fast 400 Personen in den unterschiedlichsten bayerischen Trachten. Ein farbenprächtiges und imposantes Spektakel. Endlich konnte man die bayerische Tradition in ihrer ganzen Vielfältigkeit bewundern.

Doch bis auf diese Gelegenheit sah man die Tracht nur noch selten. Sie war "aus der Mode" gekommen und in den Schränken und Truhen der Bevölkerung verschwunden.

Schon kurz nach Maximilians Hochzeit, also noch während seiner Kronprinzenzeit, äußerte er den Wunsch, mehr über die verschiedenen bayerischen Traditionsgewänder, ihre Herkunft und ihr Aussehen zu erfahren. Das Interesse war echt und ganz privater Natur.

1848, nachdem Max König geworden war und sich die Unruhen im Land wieder gelegt hatten, griff er das Thema "Tracht" wieder auf. Nur diesmal nicht aus reinem privatem Interesse, jetzt war auch ein politischer Gedanke dahinter.

Dem König war klar, Tracht war und ist etwas ganz Besonderes etwas Einzigartiges trotz seiner Vielfältigkeit.

Ab dem 28. Mai 1853 wurde die Förderung der bayerischen Trachten und somit deren Erhaltung, Aufgabe des Königreichs Bayern und dessen Staatsapparates.

König Max II. erteilte den Befehl, dass 

Abbildungen der jeweiligen regionalen Trachtengewänder angefertigt werden sollen. Diese mussten für jeden einsehbar an den dazugehörigen Rathäusern angebracht werden. Die Jugend wurde zum Tragen von Trachtengwand animiert und man ermutigte die Bevölkerung nicht nur im Alltag, sondern auch bei festlichen Anlässen, Jubiläen, Hochzeiten usw.  in Tracht gekleidet zu erscheinen. Max II. lies sogar Prämien an Trachtenpaare ausstellen, die sich dem Erhalt des Gewandes ihrer Region  verschrieben hatten. 

Die Resonanz auf diese Trachtenerhaltungsaktion war gigantisch.

Im ganzen Land war die Tracht in aller Munde und wurde wieder aus den Untiefen der Schränke und Kästen ans Sonnenlicht geholt. Bei Tombolas verloste man Trachtenstoffe, Bildnisse von unterschiedlichen Trachten wurden angefertigt und verteilt, man schickte Trachtenpaare auf die Wiesn und sogar Pfarrer und andere Geistliche predigten das Tragen und die Wichtigkeit dieser traditionellen Kleidung von der Kanzel.

Am 4. April 1859 wurde die Miesbacher "Gesellschaft der Gemütlichkeit" angemeldet, ein Vorgänger der späteren Trachtenvereine. 

Max als König Max II.
Max als König Max II.

Das traditionell bayerische Gwand erfuhr eine noch nie zuvor dagewesene Rettungsaktion. Sogar der König lebte das Gewünschte vor, indem er  in Lederhose zur Jagd ging und die Tracht zur "hoffähigen" Kleidung machte. Egal zu welchem Anlass und in welcher Umgebung, ob zu Hause oder in der Öffentlichkeit, ob im Alltag oder bei festlichen Anlässen, selbst am bayerischen Königshof - die Tracht war willkommen und als vollwertige Kleidung anerkannt. Sie wurde zum Allround-Kleidungsstück. Zum "Alles-Könner".

Max II. war es darüber hinaus sehr wichtig, dass die bayerischen Bürger nicht dazu gezwungen wurden diese traditionelle Kleidung zu tragen. Er wollte, dass sie es aus Überzeugung tun, nicht aus Zwang.

Der König sah in der Tracht mehr als nur schlichte Kleidung, vielmehr sah er darin, die im Volk gewachsene Traditionen, die es unbedingt wert sind bewahrt zu werden. Unabhängig von Stand und Region.

"Es ist von großer Wichtigkeit auch in Bayern das Nationalgefühl zu leben und zu kräftigen." 

Doch nicht nur die Tracht, die ganze Bandbreite der Volkskunde wurde von Max 

II. gefördert. Gesang, Dichtung, Mundart, Musik, Erzählungen und nicht zuletzt die sagenumwobenen Dorflinden, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr und mehr aus den Dörfern und Ortskernen verschwanden.

Zur Errettung gab er schließlich die "Bavaria - Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern" in Auftrag.  Nur in dieser acht Bände umfassenden, Literatur ist Bayern mit all seinen Landesteilen und seiner Tradition in allen Facetten genauestens beschrieben. Dieses Werk ist bis heute einzigartig. 

 

Nach Maximilians Tod wurde die Trachtenbewegung wieder träger. 

In manchen Gegenden, wie in Bayrischzell, sah man die Bevölkerung kaum noch im Trachtengwand. Gerade einmal die Jäger trugen noch ab und zu eine Lederhose.

 

Und wieder fiel dieser Zustand einem Mann negativ auf.

Diesmal keinem Adeligen, diesmal einem Lehrer. Sein Name war Josef Vogl.

Er wollte sich dem Verschwinden der Tracht entgegenstellen und gründete am 25. August 1883 (am 38. Geburtstag König Ludwigs II. von Bayern) den ersten "Gebirgstrachten-Erhaltungsverein" Bayerns, nachdem er einige andere Männer dazu überreden konnte sich auch Lederhosen schneidern zu lassen. 

Viele Dörfer und Städte zogen nach und gründeten ebenfalls ihre eigenen Trachtenvereine.

So festigte sich die bayerische Tradition und der bayerische Nationalgedanke. 1890 wurde es Zeit die Vielzahl der neu gegründeten Vereine unter einem Dachverband zu organisieren. Der Gauverband I entstand.

Sein erster Gauvorstand wurde Franz Xaver Huber, der die Idee zu diesem Dachverband hatte. 1891 folgte das erste Gaufest, das bis heute, 127 Jahre später, jedes Jahr mit vielen Teilnehmern aus allen Altersklassen gefeiert wird.

Man sieht die Tracht erlebte über die Jahrhunderte ein immerwährendes Auf und Ab. War es im 17. und 18. Jahrhundert noch normal Tracht zu tragen, verschwand sie im 19. Jahrhundert fast vollständig. Nur durch den Einsatz Einzelner konnte ihr gänzliches Verschwinden verhindert werden. Gott sei dank! Denn man stelle sich vor, wie die Wiesn ohne Tracht aussehen würde. Was wäre das bayerische "Wir-Gefühl" ohne Tracht.

Auf dem Münchener Oktoberfest möchte jeder, egal aus welchem Land, oder aus welchem Kulturkreis er stammt, ein bisschen von diesem "Wir-Gefühl" spüren können. Ja sogar Chinesen oder Amerikaner tragen dort Dirndl und Lederhosen.

König Max II. von Bayern hatte vollkommen Recht. Tracht ist viel mehr als nur Kleidung. Sie ist eine Art Uniform, die uns Bayern so einzigartig macht und unsere Zusammengehörigkeit und unsere Herkunft auch nach außen zeigt.

Tracht ist ein Stück Lebensgefühl. Sie ist ein Stück Heimat. 

bsonders BAYERISCH Logo


22. September - Die Geburt der Wiesn!

Wie das bekannteste Volksfest der Welt entstand

bsonders BAYERISCH Artikel - Die Geburt der Wiesn

Heute beginnt die Wiesn, das berühmteste Volksfest der Welt. Vielleicht hat sich der ein oder andere schon einmal gefragt, wieso dieses weltbekannte Fest, ausgerechnet in Bayern stattfindet.

Die Wiesn entstand durch ein bedeutendes Ereignis der bayerischen Geschichte. Und wie es nun einmal so ist, bei bedeutenden Ereignissen der bayerischen Geschichte - ein Wittelsbacher hatte mit Sicherheit seine Finger im Spiel.

So auch hier! Im Jahr 1810 war der 24-jährige Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., immer noch unverheiratet.  Er hatte vier Jahre zuvor mit großem Missfallen beobachtet, wie seine ältere Schwester Auguste, Napoleons Heiratspolitik zum Opfer fiel. Nun hatte er Angst, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen würde, sollte er nicht schnellst möglich selber eine Braut finden. Er wollte unbedingt vermeiden, dass ihm Napoleon seine Zukünftige aussucht. Sein Vater, König Max I. von Bayern,  schlug ihm für die Brautschau das kleine, politisch unbedeutende Herzogtum Hildburghausen vor. Da Ludwig es sehr eilig hatte, stattete er Herzog Friedrich und seiner Familie sogleich einen Besuch ab. Er konnte zwischen den beiden Schwestern Luise und Therese wählen und entschied sich nach einer Ballnacht für Therese. 

Welch romantische Voraussetzung für eine Ehe! 

Am Namenstag des Bräutigam-Vaters, König Max I. von Bayern, am 12. Oktober 1810 war es dann endlich soweit. Therese von Sachen-Hildburghausen und Kronprinz Ludwig von Bayern fuhren in den sicheren Hafen der Ehe ein. Es war die allererste königliche Hochzeit im erst viel Jahre jungen Königreich Bayern. 

König Max I. und sein Minister Montgelas planten ein Fest, wie es Bayern noch nie zuvor gesehen hatte. Quasi eine Werbeveranstaltung für das noch neue Königshaus. Dieses Fest gelang ihnen unvorstellbar gut, wahrscheinlich besser, als die beiden es selbst jemals geahnt hätten.

Nicht nur der Adel sollte mit der königlichen Familie feiern, sondern Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Jung und alt, arm und reich. Einfach alle. Und so geschah es auch. 

Am Tag nach der offiziellen Trauung, am Abend des 13. Oktobers 1810 wurde auf vier Plätzen in München (Marienplatz, Promenadenplatz, in der Neuhauser Gasse und am Anger)  Speisen und Getränke an wirklich jeden ausgegeben.

Insgesamt wurden 232 Hektoliter Bier, 4 Hektoliter österreichischer Weißwein, 32.065 "Laibln Semmelbrod" , 80 Zentner gebratenes Schaffleisch, 3.992 Pfund

 Schweizer Käse, 8.120 "Cervelatwürste" und 13.300 Paar "geselchte" Würste verteilt.

Um aus der Speisenausgabe ein Fest zu machen, spielten 150 Musikanten auf den unterschiedlichen Plätzen und sorgten für die richtige Stimmung. 

Ebenso wurden 6.200 ausgewählte Bürger und ihre Familien vom König in die vier größten Gasthäuser Münchens zum Abendessen eingeladen. In den Volkstheatern war freier Eintritt. 5 Tage lang gab es Bälle und Theateraufführungen und München wurde wunderschön und pompös beleuchtet. 

Allein das war schon ein gigantisches Volksfest! Übrigens komplett auf königliche Rechnung! 

Das war sie aber noch nicht, die eigentliche Ur-Wiesn. Die fand ein paar Tage später statt.

Die Nationalgarde veranstaltete, mit der Erlaubnis des Königs und zu Ehren des Brautpaares, am 17. Oktober 1810 ein Pferderennen auf dem unbebauten Areal "vor dem Sendlinger Thore, seitwärts der Straße, die nach Italien führt." 

Nach einer Messe im Bürgersaal, zogen die Nationalgarde und natürlich auch andere militärische Abteilungen auf den Rennplatz. 

Die Münchener kamen in Scharen um das Pferderennen zu sehen. Augenzeugen berichteten, dass die ganze Stadt auf den Beinen war. Es wird von 40.000 Menschen gesprochen. Das wäre dann fast die gesamte Münchener Bevölkerung gewesen.

Selbstverständlich ließ sich auch die königliche Familie dieses Spektakel nicht entgehen und fuhr in Gala zum Pferderennen. Bei ihrer Ankunft auf dem Rennplatz jubelten ihnen also 40.000 Menschen zu! Welch ein Empfang! Das Königspaar, das Kronprinzenpaar und die übrige Familie nahmen in einem eigens für sie errichteten Pavillon am Rande der Rennbahn Platz.

Als alle Honoratioren anwesend waren gingen 16 Kinderpaare, Söhne und Töchter von Mitgliedern der Nationalgarde, in einem festlichen Zug zum Pavillon der Königsfamilie. Das erste Paar war mit einem
Lorbeer- und einem Myrtenkranz

 geschmückt. Die nachfolgenden neun Paare sollten die neun Kreise des Königreichs verkörpern. Fünf Kinderpaare waren in den Trachten der Bauern und Bäuerinnen der unterschiedlicher Gegenden gekleidet und das letzte Kinderpaar trug die Tracht der Alt-Wittelsbacher. Am Zelt angekommen überreichte das erste Kinderpaar seine Kränze an das frisch vermählte Kronprinzenpaar. Die anderen Kinder überreichten die Blumen und Früchte König Max I. und Königin Karolin und sagten Huldigungsverse auf. Anschließend wurde 

ein Weihelied gesungen.

Nun war eine Pause im Festakt. In dieser frühstückte die königliche Familie im Pavillon. Die tausenden von Zuschauern konnten sich in dieser Zeit in den Zelten und an den Ständen der Traiteurs ebenfalls etwas zu Essen und Trinken holen. Das Oktoberfest war geboren. 

Dann kam es zum Höhepunkt der Veranstaltung: dem Pferderennen. 

30 Pferde standen am Start und galoppierten 3 Mal um die 3270 Meter lange Rennbahn.  40.000 Menschen feuerten sie an.  Es gewann das Pferd mit der Startnummer "15", ein 7-jähriger Apfelschimmel-Wallach von Franz Baumgartner, einem Unteroffizier der Nationalgarde, der angeblich den Vorschlag zum Pferderennen gemacht hatte. 

Baumgartner  und sein "Rennbub" der 12-jährige Anton Rauscher, der das Rennen geritten war, erhielten goldene Medaillen, die extra zur Kronprinzenhochzeit geprägt worden waren. 

Noch an diesem Tag wurde König Max I. der Vorschlag gemacht, die Wiese, auf der das Rennen veranstaltet worden war, zu Ehren der Braut Therese "Theresienwiese" zu nennen. Laut Überlieferung freute sich der König sehr über diesen Vorschlag und rief:  "Von Herzen gerne!"

Dies war sie also: die Ur-Wiesn. Bereits ein Jahr später, 1811 wurde sie wiederholt und wuchs in 208 Jahren zu dem weltberühmten Fest, das es heute ist. Aber es blieb nicht beim Pferderennen. Nach und nach bekam die Wiesn ihr heutiges Gesicht. Aber das ist eine andere Gschichte. 

Auf eine friedliche Wiesn!

bsonders BAYERISCH Logo