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Die älteste "Imbissbude" der Welt

Regensburgs Wurstkuchl

bsonders BAYERISCH Artikel - Die älteste Imbissbude der Welt

Die "Historische Wurstküche" ich Regensburg
Die "Historische Wurstküche" ich Regensburg

Regensburg, die Hauptstadt des Regierungsbezirks Oberpfalz ist nicht nur deshalb bekannt, weil sie seit 2006 zum UNESCO-Welterbe gehört. Die viertgrößte Stadt Bayerns mit ca. 150.000 Einwohnern war auch vorher schon ein Begriff. Als ehemaliges Römerkastell „Castra Regina“ unter Kaiser Mark Aurel (179 n. Chr.) oder Sitz des Immerwährenden Reichstags (1663-1803), ist Regensburg eines der ältesten Bistümer Deutschlands. Die „nördlichste Stadt Italiens“ – wie die Regensburger ihre Stadt aufgrund des südlichen Flairs auch liebevoll nennen – hat viel zu bieten. Ihre romanische und gotische Architektur des Mittelalters bestimmt bis heute das Gesicht der Altstadt. Aber eigentlich wollte ich von einem kleinen, ganz unscheinbaren Objekt berichten, das zwischen den zwei bedeutendsten Wahrzeichen Regensburgs liegt: Der Steinernen Brücke, die älteste erhaltene Brücke Deutschlands, ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und dem Dom St. Peter, neben dem Kölner Dom die bedeutendste gotische Kathedrale unseres Landes. 

Spaziert man vom Dom Richtung Donau wird man unweigerlich eines appetitlichen Geruches wahr, der sich durch die malerischen Gassen bis hin zur Steinernen Brücke verbreitet. Unmittelbar neben der südlichen Brückenauffahrt, gleich beim imposanten Salzstadel befindet sich die "Historische Wurstkuchl". Sie ist die älteste „Imbissbude“ der Welt und gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Regensburg.

Stadtansicht 1630
Stadtansicht 1630

Der Ursprung der „Historischen Wurstkuchl“ war ein kleines, an die Stadtmauer angelehntes Gebäude, das während des Baus der Steinernen Brücke (1135 bis 1146) als Baubüro diente. Nach Vollendung der Brücke (seinerzeit als 

achtes Weltwunder gefeiert), zog das Baubüro aus und das kleine Gebäude wurde zur Garküche umfunktioniert, zu deren Kundschaft Hafen- und Bauarbeiter zählten. Mit Sicherheit  kehrten hier auch die Arbeiter der Dom-Baustelle gerne ein.

Jenseits der Legenden findet sich in den Archiven der Stadt im Jahre 1378 

die Erwähnung eines „Chunrat, der  Choch vor prukk“ (Chunrat, der Koch vor der Brücke) und ab 1492 dürfte das Gebäude, wohl dauerhaft als Garküche genutzt worden sein.

Ab wann das gesottene Fleisch durch die feineren Bratwürste ersetzt wurde, lässt sich heute nicht mehr genau bestimmen. Es wird vermutet, dass sie 1806 eingeführt wurden, als die Stadtkämmerei die Wurstküche an den Garkoch Wolfgang Schricker verkauft hat, dessen Nachfahren heute noch zu den Eigentümern zählen.

Das Publikum in der „Historischen Wurstkuchl“ ist international, aber auch die Regensburger selbst kommen gerne in das kleine Lokal mit großem Freisitz am malerischen Donauufer und gönnen sich Bratwürste vom Holzkohlengrill mit Sauerkraut, Kipferl, süßem Senf und einem Schoppen Bier.

Schön beschrieben hat Carl Waldemar Neumann die „Historische Wurstkuchl“  in seinem 1886 veröffentlichten „Büchlein von der Regensburger Wurstküche“:

„Eine Spezialität, die sich solcher Beliebtheit erfreut, wie die Regensburger Wurstküche hat wahrlich auch ein Anrecht auf schriftstellerische Behandlung. Sie ist ja nahezu weltbekannt wegen der köstlichen Genüsse, die in ihren Räumen verabreicht werden und genießt verdientermaßen nicht geringes Ansehen bei allen Kennern und Freunden der edlen Wurstologie. In ihren friedlichen Mauern herrscht seit Jahrhunderten: „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ im besten Sinne des Wortes, so dass darin selbst weniger empfängliche Gemüther schließlich auch das erhebende Gefühl der „höheren Wurstigkeit“ überkömmt. (…) Ja, die „Wurstkuchl“ ist eine Oase im Völkerleben der Neuzeit, die jedem Pilger auf der heißen Wanderfahrt durch die Wüste des Lebens liebevoll Rast und Labsal darbietet, gleichviel welchem religiösen oder politischen Bekenntnisse er angehört. Da sieht man, zwischen strenggläubigen Katholiken und Protestanten, den Sohn Israels friedlich seine „schweinernen Bratwürstlein“ verzehren, den unheilbrütenden Socialdemokraten, neben Liberalen und Ultramontanen, vergnüglich sein „Schweinsripperl mit Kraut“ vertilgen. Der k. Regierungsrat sitzt gemüthlich neben dem fürstlichen 

 

Kanzlisten, der Herr Major neben dem Polizeidiener, der Großhändler neben dem Handlungslehrling, „sich behaglich nährend, niemand beschwerend und sich an nichts kehrend“.

 Die Familie Schricker sorgt für ihre Gäste, ohne Unterschied des Standes in gleich vortrefflicher Weise. Ihre Schuld ist es wahrlich nicht, wenn fast Alles in der „Wurstkuchel“ seither beim alten Herkommen geblieben ist, denn so und nicht anders wollen es die maßgebenden Einheimischen und Fremden unbedingt haben. Ein solches „Wahrzeichen“ darf sich eben nicht verändern! (…)

 

Hier wird Keinem ein extra’s Würstlein gebraten, - hier sitzt Jeder, wer er auch sei, auf der hölzernen Bank, die viel zu hoch ist im Verhältnis zu dem eichenen Tisch und hält da seine Zehrung frei von allem Zwang, ohne Tischtuch und Vorhängläpplein.

 

Was aber nur eines Menschen  Herz begehrt, kann es da haben um ein paar Pfennige, das heißt: Wenn es nicht etwa was Anderes will, denn „Leber-, Blut- oder Bratwürst, Schweinsknöchel, Zünglein usw. Alles mit oder ohne Kraut! Ja das Alles findet man hier am Donaustrandel unterhalb „der steinern Brucken“ in der „Wurstkuchel“!

 

Daher gehört sie nun aber auch zu den Hauptmerkwürdigkeiten der berühmten Donaustadt, so dass man gemeiniglich sagt: „Wer in der Wurschtkuchel keine Bratwürstlein gegessen hat, - der war nicht in Regensburg.“

Ansichtskarte im 1910
Ansichtskarte im 1910
Ansichtskarte um 1930
Ansichtskarte um 1930

Gastbeitrag

Autor: Heinz Beck