November

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13.11. - Karoline Königin von Bayern

Mutter, Stiefmutter, Landesmutter


Liebesheiraten waren in vergangenen Jahrhunderten die absoluten Ausnahme in Adelskreisen. Ging es doch bei einer Vermählung nicht um Gefühle sondern um Politik, Dynastien, Königreiche und Geld.

Bei Königin Karoline von Bayern war das ein wenig anders. Sie und ihr Ehemann Max liebten einander wirklich.

Zugegeben, anfangs wusste Karoline nicht was sie mit der Werbung des um zwanzig Jahre älteren Herzogs im Exil anstellen sollte. In einem Brief an Karolines Mutter hielt Max um die Hand der jungen Prinzessin an:

"Sie werden mich für den lächerlichsten Menschen der Welt halten, weil ich Ihnen schreibe, obwohl wir unter demselben Dach wohnen. Aber man drück sich schriftlich besser aus als mündlich. Besonders in diesem Fall, da es sich um Glück oder Unglück meines Lebens handelt. Ich liebe die Prinzessin Karoline. Ich bin mir der Kühnheit ihr in meiner Lage meine Hand anzubieten wohl bewusst. Sagen sie ihr falls ein derart liebendes Herz, ein gerader und ehrlicher Charakter sie veranlassen könnte über mein Alter und meine Eigenschaft als Vater von vier Kindern wegzusehen, ich sie anflehe meinen Antrag nicht zurückzuweisen. Lesen Sie meinen Brief ihrer liebenswerten Tochter vor und vor allem beeinflussen Sie sie nicht. Ihr Herz soll die Antwort diktieren."

Max I. Joseph
Max I. Joseph

Max Joseph, der sich bis über beide herzoglichen Ohren in die junge badische Prinzessin verliebt hatte,  konnte sie für sich gewinnen. Schließlich verliebte sie sich auch in ihn. 

Seine erste Frau, Wilhelmine von Hessen-Darmstadt, war ein Jahr zuvor verstorben und hinterließ ihm vier Kinder. 

Als Karoline und Max 1797 heirateten, wurde aus der 21-jährige Braut also erst einmal eine Stiefmutter von vier Kindern. Ludwig (10 Jahre), Auguste (8 Jahre), Charlotte (5 Jahre) und Karl (2 Jahre). 

Zwei Jahre später zog das Ehepaar mit seinen vier Kindern als neues Kurfürstenpaar von Bayern in ihren Residenzstadt München ein. Der vormalige Kurfürst Karl Theodor war ohne legitimen Erben verstorben. Max folgte ihm rechtmäßig auf den kurfürstlich bayerischen Thron.  Weitere sieben Jahre später folgte die Erhebung des Kurfürstentums Bayern zum Königreich und aus Max und Karoline wurden  

Karoline
Karoline

König Max I. Joseph und Königin Karoline von Bayern. Beide waren überaus beliebt bei ihrem Volk. Und zwar so sehr, dass Max nur "unser guter Vater Max" genannt wurde. Sprach man über die Königin, hörte man öfter den Vers: "Steht dir das Pech bis obenhin, dann geh zur Karoline". Sie war sehr wohltätig und hatte immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Bevölkerung. Eine Vollblut-Landesmutter eben.

Karoline gebar ihrem Ehemann acht eigene Kinder, von denen allerdings nur fünf das Erwachsenenalter erreichten. Sie liebte ihre Kinder, ganz gleich ob Stiefkinder oder leibliche  und ließ sie das auch spüren. In  ihren Räumlichkeiten und auch in den Repräsentationsräumen, wurden kleine Möbel aufgestellt, so dass die zahlreiche Kinderschar immer eine passende Sitzgelegenheit finden konnte. Ihr Thronsaal verlor stetig seine eigentliche Bedeutung und verwandelte sich mit der Zeit in ein Familienzimmer. Wo Karoline auch war, sie wollte immer ihre Kinder um sich haben können. 

Max und Karoline umgeben von ihren Töchtern
Max und Karoline umgeben von ihren Töchtern

Die Königsfamilie fuhr jeden Sommer gemeinsam aufs Land, quasi in den "Familienurlaub". Im Schlosspark von Nymphenburg erhielten die Kinder sogar ihre eigenen Refugien, in denen sie herumtollen und toben konnten. Die Rolle der Mutter füllte sie vollständig aus, sie bezeichnete sie als ihre wichtigste und an erster Stelle stehende Aufgabe. Erst an zweiter Stelle beschäftigte sie sich mit der Rolle der Königin und Landesmutter.  Bei einem ihrer Stiefkinder kam das nicht wirklich gut an. Max Josephs Ältester, der spätere König Ludwig I., verstand sich sein ganzes Leben schlecht  mit seiner Stiefmutter.

Königin Karoline
Königin Karoline

Was immer Karoline auch unternahm, er konnten sich nicht für sie erwärmen. 

Eine der Aufgaben einer Mutter war es standesgemäße Partien für ihre Kinder zu finden.  Karoline gelang das ausgezeichnet. Unter  ihren Töchtern befanden sich Auguste Vizekönigin von Italien, Charlotte Karoline Kaiserin von Österreich, Elisabeth Königin von Preußen, Amalie Königin von Sachsen, Maria Anna Königin von Sachsen (nein das ist kein Tippfehler, beide waren Königinnen von Sachsen, aber natürlich nicht gleichzeitig), Sophie Erzherzogin von Österreich (Mutter von Kaiser Franz Joseph von Österreich) und Ludovika Herzogin in Bayern (Mutter von Sisi). 

Königin Karoline
Königin Karoline

Drei ihrer Kinder musste sie sehr früh zu Grabe tragen. 1799 gebar sie ihr erstes Kind, einen Sohn, tot. Ihr zweites Kind, ebenfalls ein Sohn, Maximilian, starb im jungen alter von drei Jahren. Karoline trug zeitlebens eine Medaillon mit einer Haarlocke Maximilians bei sich. Und auch ihre jüngste Tochter Maximiliane verstarb im zarten Alter von elf Jahren. 

Karoline zerbrach beinahe an ihrem Tod. Sie verkraftete den Verlust ihr leben lang nicht.

Die erste bayerische Königin war eine herzensgute Frau, die geliebt, verehrt und geschätzt wurde. 

Heute jährt sich der Tod dieser Mutter, Stiefmutter und Landesmutter zum 177 Mal. Bei ihrer Beisetzung in der Theatinerkirche kam es zu einem Eklat. Aber das ist eine andere Gschichte aus der Geschichte. 



8. November 1918 - Revolution

Der König auf der Flucht


In diesen Tagen feiern wir 100 Jahre Freistaat Bayern. Vor 100 Jahren wurde die Monarchie in Bayern durch die Staatsform der Republik ersetzt.

Nachdem die Familie Wittelsbach Bayern 738 Jahre  regiert hatte, musste König Ludwig III. im Jahr 1918 den Thron räumen

Das Volk war kriegsmüde. Der 1. Weltkrieg, der nun bereits vier Jahre andauerte, zehrte an den Menschen, ihren Körpern und  Gemütern. Es herrschte eine aufgeheizte Stimmung im König- und Kaiserreich.  Anspannung, Wut und Frust lagen in der Luft. Immer wieder gab es Versammlungen und Kundgebungen der Sozialdemokraten in München, die die Absetzung des deutschen Kaisers Wilhelm II. und des bayerischen Königs Ludwigs III. forderten.  

Alles gipfelte darin, dass in der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 der "Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern" den Freistaat Bayern ausrief, mit Kurt Eisner als ersten Ministerpräsidenten.

Was machte die Königsfamilie in dieser Nacht?

Natürlich hatte die aufgeladene Stimmung ihren Weg auch hinter die Mauern der Residenz gefunden. König Ludwig III., seine Angehörigen und sein Hofstaat waren in Alarmbereitschaft. Man wusste um die Geschehnisse und die wachsende Mitgliederzahl der Sozialdemokraten.

Am Nachmittag des 7. November zog  eine johlende und schreiende Menschenmasse, die 50.000 Demonstranten stark gewesen sein soll, durch München direkt an der Residenz vorbei. Sie schrien: "Der Kaiser soll abdanken!", "Nieder das Haus Wittelsbach!", "Nieder mit der Dynastie!", "Hoch die Republik!"und "Wir holen uns den König, setzen ihm eine Zipfelmütze auf, ziehen ihm Holzpantoffel an und tragen ihn so auf den Marktplatz!". 

Diese Menschenmenge wurde für die Prinzessinnen Helmtrud und Wiltrud fast zum Verhängnis, als sie nur wenige Augenblicke entfernt mit ihrer Hofdame im Englischen Garten spazieren waren.  Nur durch die Warnung eines herbeieilenden Mannes konnte Schlimmeres verhindert werden. Auch der König selbst war außerhalb der Residenz unterwegs und konnte sich gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. 

Die Rede, die an der Feldherrnhalle gehalten wurde, heizte die Stimmung noch mehr an und dass Gejohle und die Rufe wurden immer lauter. München hatte sich entschieden!

Als die Königsfamilie wieder vollständig in der Residenz war, wurden alle Fenster und einige Fensterläden geschlossen. Die stundenlangen Rufe, Pfiffe und Schreie drangen ins Innere. Königin Marie Therese war zu diesem Zeitpunkt bereits schwer krank. Ihr Bauch war stark aufgetrieben. Sie hatte eine inoperable Geschwulst im Unterbauch, die stetig größer wurde und ihr permanente Schmerzen bereitete. 

Am Abend rieten der Ministerpräsident von Dandl und Innenminister von Brettreich dem König zur Flucht. München sei nicht mehr sicher, da auch das Militär nun in den Händen der Sozis war.

"Wir müssen fort und zwar gleich!" sagte 

der König zu seiner Familie, sie sollten so 

schnell wie möglich ihre Sachen packen und zu niemandem etwas sagen, nicht einmal zu ihren Hofdamen, die es aber ohnehin errieten. 

In Windeseile wurden Kleidung und Schriftstücke, Bleistifte, Tagebücher, Geld und etwas zu Essen zusammengerafft. Nur die Zofe der Königin, Fanny Scheidl, durfte eingeweiht werden, da sie zur Pflege der Königin mit musste. Sie hat ihre Erinnerungen an die Ereignisse dieser Tage niedergeschrieben. So beschreibt sie den Moment als König Ludwig III., seine Frau Königin Marie Therese und deren Kinder die Residenz verließen: "Nie vergesse ich den Zug durch den schwarzen Saal, das Herrschaftspaar tief gebeugt, die alten Hartschiere mit Tränen in den Augen, das letzte mal salutierend.

Der schnell gefasste Plan besagte, dass die Familie im Auto aus der Stadt nach Wildenwart fahren sollte. Jedoch waren die Autos nicht fahrtüchtig, sie standen 

aufgebockt in der Marstallgarage. Und als ob das noch nicht genug wäre, war der Leibchauffeur zu den Sozis übergelaufen und unter den Demonstranten gesichtet worden. Es wurden doch noch drei Chauffeure aufgetrieben, die sich dazu bereit erklärten in dieser explosiven Nacht den König und seiner Familie aus der Stadt in Sicherheit zu bringen. 

Als die Automobile zur Abfahrt wieder hergestellt waren, musste sie noch einer letzten essentiellen Veränderung unterzogen werden:  auf den Kühlerhauben eines Automobils thronte eine vergoldete Krone, die anderen zierten aufgemalte Kronen. Kurzerhand wurden die Handschuhe von Prinzessin Hildegard über die Kühlerhaubenkrone gestülpt und die gemalten Kronen mit Wagenschmiere überdeckt. 

Unter den 14 Flüchtenden befanden sich  der König, die Königin, die Prinzessinnen Hildegard, Wiltrud, Helmtrud, Gundelinde, Erbprinz Albrecht (der Enkel des Königs) und die Baroninnen Kesling, Graf Holnstein, Oberwachtmeister Kiesling, Baron Redwitz, Baron Bodmann und Fanny Scheidl. Die Flüchtenden sollten in drei Autos aufgeteilt werden. 

Gerade als sie los fahren wollten, streikte das Auto mit König und Königin an Bord und blieb liegen. Alle mussten umsteigen. Die ersten beiden Wagen fuhren los, die Personen die für den dritten Wagen gedacht waren, mussten nun warten bis ein weiterer fahrtüchtig gemacht werden konnte. 

Man fuhr ohne Licht. Alle saßen geduckt oder zusammengekauert auf den Sitzen mit der immerwährenden Angst, dass die Autos eine Panne haben würden oder man den Demonstranten direkt in die Arme lief. 

Keiner der Wagen wurde aufgehalten. So verließen die Königlichen Hoheiten ihre Residenzstadt München.



Verlosung

Die Tagebucheinträge von Prinzessin Wiltrud sind bis heute erhalten und schlummerten im Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher in München. Dort wurden sie von Christiane Böhm entdeckt, ausgewertet und in einem Buch verarbeitet. Dadurch dass sie die Tagebucheinträge von Prinzessin Wiltrud, ihrer Schwester Hildegard als auch der Kammerzofe Fanny Scheidl kombiniert, erhält man einen tiefen und ungeschminkten Einblick in diese explosive Zeit. 

 

Eben noch unter Kronleuchtern - Die Revolution 1918/1919 aus Sicht der bayerischen Königstöchter

von Christiane Böhm, Edition Luftschiffer

 

Wir verlosen ein Exemplar dieses überaus lesenswerten Buchs!

Schreibt uns eine EMail (servus@bsonders-bayerisch.de), postet auf unsere Facebook-Seite (www.facebook.com/bsondersbayerisch) oder schreibt in unser Gästebuch und sagt uns wie das letzte bayerische Königspaar hieß. Die Verlosung endet am 16.11.2018 um 20.00 Uhr. Der Gewinner wird um 21.00 Uhr bekannt gegeben. 

Wir freuen uns auf Eure Teilnahme und wünschen VIEL GLÜCK!


 

Und wer hod jetzt gwunna?

Liebe TeilnehmerInnen und LeserInnen von bsonders BAYERISCH! Wir freuen uns sehr, dass Ihr Euch über Facebook, unsere Website und via Email beteiligt habt.
Die Gewinnerin seht Ihr auf dem Bild.
HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!!!!!!!!!
Liebe Gewinnerin bitte setzte Dich mit uns via PN oder Email (servus@bsonders-bayerisch.de) in Verbindung und teile uns mit wo wir das Buch hinschicken dürfen.

Vielen Dank fürs Mitmachen.
Euer bsonders BAYERISCH TEAM

P.S.: In unserem bsonders BAYERISCH Adventskalender werden wir auch das ein oder andere interessante Buch verlosen, also bleibts bei uns