Mai

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Sisis Schwester Nené

Helene in Bayern

Freitag, 16. Mai 1890 

Helene in Bayern kennen die meisten wohl nur unter ihrem Rufnamen „Nené“. Und dann klingelt es in den Köpfen: Nené – Sisi – verschmähte Braut des Kaisers Franz Joseph. Aber hier hört es bei vielen auch schon auf. Dass die älteste Schwester von Kaiserin Elisabeth von Österreich durchaus mehr war, als eben nur die „verschmähte Braut“, das möchte ich hiermit in Erinnerung rufen. Helene war das dritte Kind von Herzog Max in Bayern und seiner Frau Ludovika, einer Tochter des bayerischen Königs Maximilian I. Joseph. Helene wurde am 4. April 1834 in München geboren. Mit ihren 8 Geschwistern verbrachte sie ihre Kindheit sowohl in einem prunkvollen Palais in München, als auch im Schloss Possenhofen am Starnberger See. Sie genoss eine standesgemäße Erziehung und Ausbildung und galt zeitlebens als besonders fromm. Ihre Mutter Ludovika, die unter ihrem Stand geheiratet hatte, war sehr darauf bedacht, dass ihre Kinder nicht den gleichen Fehler machten. Als der junge österreichische Kaiser Franz Joseph in das heiratsfähige Alter kam, beschloss dessen Mutter Sophie, die wiederum eine Schwester von Ludovika war, dass vielleicht eine Frau aus dem Wittelsbacher Hause die Richtige sei, Kaiserin von Österreich zu werden. Diese Idee fand bei Ludovika größten Anklang und so reiste man zum Kaisergeburtstag am 18. August 1853 nach Bad Ischl. Helene war gut vorbereit und instruiert. Mit von der Partie war auch ihre jüngere Schwester Elisabeth, Sisi genannt. Was in Bad Ischl geschah, weiß man von den „Sissi“-Filmen mit Romy Schneider. Der junge Kaiser verliebte sich in die 16-jährige Elisabeth.

Nach dieser geplatzten „Hochzeit“ steigerte sich Helenes depressive Stimmung stetig. Herzogin Ludovika hielt weiterhin in europäischen Adelskreisen Ausschau nach einem geeigneten Bräutigam für ihre älteste Tochter. Ende November 1853 wurde in der Presse folgende Meldung veröffentlicht: „(…) dass die Brautwerbung des Prinzen Georg von Sachsen um die Hand der Prinzessin Helene angenommen worden sei.“ Eine Fake-News, würde man heute sagen. In Wien stand Sisis Hochzeit mit dem Kaiser Franz Joseph bevor. „(…) Die Kaiserbraut Prinzessin Elisabeth in Bayern wird die Reise nach der neuen Heimath, Wien, antreten. Die durchlauchtigsten Eltern und die Geschwister Herzog Ludwig und Prinzessin Helene begleiten Höchstdieselbe dahin“ stand am 17. April 1854 in der Zeitung zu lesen. Den Wiener Hofball – drei Tage nach der kaiserlichen Hochzeit – eröffnete der frisch vermählte Kaiser nicht mit Sisi, sondern mit Helene. Sisi und Helene hatten eine besonders intensive Schwesternbeziehung, sodass Nené in den folgenden Jahren immer wieder nach Wien reiste oder die Kaiserin nach Possenhofen kam. Helene füllte ihre Tage mit Malen und kümmerte sich um Bedürftige, das ihr bald den Ruf als „Engel von Possen­hofen“ einbrachte. Sie hatte sich mittlerweile mit ihrem Ledigsein abgefunden, nicht so ihre Mutter. Zum Glück hatte der 

 

Erbprinz Maximilian von Thurn und Taxis ein Auge auf Helene geworfen. Dieser war zwar nicht standesgemäß, aber durch das Postmonopol steinreich, außerdem befürchtete Ludovika, ihre Tochter könnte ins Kloster gehen. Kurz und gut, die Familie Thurn und Taxis wurde nach Possenhofen eingeladen, der Erbprinz für gut befunden und dass dieser auch noch in Helene verliebt war, war wunderbar. Das Augsburger Tagblatt berichtete am 05. Mai 1858: „Der Hofkavalier Sr. k. Hoh. des Herzogs Max in Bayern verweilt gegenwärtig in Regensburg, um die Vertragsverhandlungen in Bezug auf die Verehelichung des Erbprinzen Maxi­milian von Thurn und Taxis mit der Prinzessin Helene in Bayern zum Abschluss zu bringen. (…)“ Der Verlobung am 22. Mai folgte am 24. August 1858 die Vermählung von Helene und Maximilian in Possenhofen. Die Feierlichkeiten mit Feuerwerk und Festschießen dauerten drei Tage. Glückwünsche übermittelte u. a. auch die Stadt Regensburg. Der bayerische König Maximilian II. war aus dynastischen Gründen mit der Heirat nicht einverstanden und erst durch Einfluss von Kaiserin Elisabeth gab er als Oberhaupt der Wittelsbacher letztendlich seine Zustimmung. Nebenbei bemerkt, bekam Helene von ihren Schwiegereltern zur Hochzeit ein Kollier im Wert von 160.000 Gulden geschenkt (Zum Vergleich: in dieser Zeit verdiente ein Oberknecht 66 Gulden im Jahr). Erst Ende 1858 kam das Brautpaar in Regensburg an und zog in das sog. Erbprinzenpalais in der Nähe von Schloss Emmeram. Helene schenkte bald zwei Töchtern das Leben: Louisa (1859) und Elisabeth (1860). Drei Monate nach der Geburt ihr Tochter Elisabeth reiste Nené zur ihrer Schwester Elisabeth nach Korfu, die dort ihre Lungenkrankheit auskurierte. Sie kehrte Ende September nach Regensburg zurück. Im Juni 1862 gebar sie den ersehnten Erbprinzen Maximilian Maria und fünf Jahre danach im Mai 1867 ihren zweiten Sohn Albert. Helene und Maximilian führten eine glückliche Ehe. Diese endete abrupt, als am 26. Juni 1867 Maximilian im Alter von nur 35 Jahren an einem schweren Nierenleiden verstarb. Elisabeth und Franz Joseph reisten zur Totenfeier nach Regensburg. Helenes Trauer war groß und sie versuchte sich mit karitativen Tätigkeiten abzulenken. Ihr Schwiegervater sah in ihr eine Stütze und Nachfolgerin und begann sie in die geschäftlichen Angelegenheiten des Hauses Thurn und Taxis einzuweisen.

Im November 1871 verstirbt Fürst Maximilian Karl von Thurn und Taxis im Alter von 69 Jahren und die Fürstenwürde geht an Helenes 9-jährigen Sohn Maximilian über, dessen Vormundschaft sie übernimmt. Bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes war sie das Oberhaupt der Familie Thurn und Taxis.

Die Presse vermeldete: „(…) Ihre Königl. Hoheit, die Frau Erbprinzessin-Witwe Helene, Herzogin in Bayern, hat sofort nach dem Hinscheiden des Hrn. Fürsten Maximilian die Regierung des ganzen fürstlichen Hauses und Besitzes im Namen des minderjährigen Erbprinzen 

angetreten. (…)“ Im April 1872 verlegte Helene ihre Hofhaltung vom Erbprinzenpalais in das ihr nun zustehende Schloss St. Emmeram und stellte die Weichen für den Umbau des Familiensitzes Familiensitzes zum heutigen Historismusschloss. Sie ließ eine moderne Gasbeleuchtung im Schloss installieren und durch den königlich bayerischen Hofgärtner Josef Effner den Schlosspark neu gestalten. Ein weiterer Todesfall in der Familie ereignete sich 1881, als Helenes Tochter Elisabeth nach der Geburt ihres dritten Kindes starb. Nach seiner Volljährigkeit übernahm Maximilian Maria am 24. Juni 1883 die Geschäfte des Hauses Thurn und Taxis. Er erkrankte schwer, als er von einem Besuch seines Onkels, des Kaisers Franz Joseph und einer damit verbundenen Auerhahnjagd zurückkehrte. Er sollte sich davon nicht mehr erholen und verstirbt am 2. Juni 1885 mit nur 22 Jahren an einer Herzlähmung. Helene konnte sich nicht allzu lange ihrer immensen Trauer hingeben, da sie wiederum bis zur Volljährigkeit ihres zweiten Sohnes Albert (1888) die Familiengeschäfte übernehmen musste. Die Trauer um ihren Ehemann und ihre beiden verstorbenen Kinder machten aus Helene eine Frau, die sich ganz in ihren Glauben zurückzog. Fortan führte sie wie ihr alter Vater ein exzentrisches, nach innen gekehrtes Leben, fern von den Menschen. Im Jahr 1890 erkrankte Helene an einem schweren Unterleibsleiden. Ihre Schwester Elisabeth, die Helene „Old Sisi“ nannte, eilte an ihr Sterbebett nach Regensburg. Von Sisis Tochter Marie Valerie ist folgender Dialog zwischen beiden Schwestern überliefert:

Elisabeth: „We two have had hard puffs in our lives!“ – Helene: “Yes, but we had hearts!” (sinngemäße Übersetzung: “Wir beiden haben viel Herzeleid in unseren Leben erfahren.“ –„Ja, aber wir hatten wenigstens Herzen.“)

Mit nur 56 Jahren verstirbt Helene in Bayern am 16. Mai 1890 auf Schloss St. Emmeram in Regensburg. Ihre letzten Worte „Ach ja, das Leben ist doch ein Jammer und ein Elend“ zeugten von ihrer Lebensüberdrüssigkeit. Kaiserin Elisabeth und ihre Brüder Karl Theodor, Ludwig und Max Emanuel nahmen an den Trauerfeierlichkeiten ihrer Schwester teil. Das Sterbezimmer ließ ihr Sohn Fürst Albert in eine Kapelle umbauen und sämtliche Korrespondenz zwischen Helene und Sisi aus nicht nachvollziehbaren Gründen vernichten. In der Familiengruft ruht Helene in Bayern bis heute neben ihrem Ehemann und ihren beiden Söhnen. 

 

Text und Bilder: Heinz Beck



Die letzten Tage einer Königin

KÖNIGIN MARIE VON BAYERN

Freitag, 17. Mai 1889

Am Morgen des 17. Mai 1889 stand im Königsschloss Hohenschwangau für einen Augenblick die Zeit still. Die bayerische Königin Marie, Mutter von König Ludwig II. und König Otto I. war verstorben. 
Schon geraume Zeit hatte sich der Gesundheitszustand Ihrer Majestät verschlechtert. Auch der Kuraufenthalt in Lugano brachte nicht die gewünschte Wirkung. Und so traf die völlig geschwächte Königin Ende März 1889 in Begleitung ihrer Obersthofmeisterin in Hohenschwangau ein. Marie liebte und schätzte diesen Ort sehr. Die Sommeraufenthalte in dem romantischen Schloss, umgeben von Bergen, Seen, Wiesen und Wäldern waren für sie einer der Höhepunkte im Jahreskalender. Mit ihrem Mann Maximilian nahm sie bereits zwei Wochen nach der Hochzeit 1842 den ersten Aufenthalt in Hohenschwangau. Dort keimte in ihr der Wunsch die umliegenden Berge zu besteigen. Da die Mode der damaligen Zeit weder Komfort noch Sicherheit für das Bergsteigen bot, ließ sich Marie ein spezielles Wanderkostüm schneidern. Auf den ersten Blick erschien das nicht außergewöhnlich. Ein Mieder zum Schnüren, ein Tiroler Stopselhut, ein langer Rock. Wohl erst auf den zweiten Blick sah der Betrachter die Besonderheit des königlichen Outfits. Eine bodenlange Hose, die unter dem gekürzten Rock getragen wurde. Diese Hose erlaubte es Marie bei Bergtouren auch in steilem und unwegsamen Gelände große Schritte zu machen und hohe Felsstufen oder umgestürzte Baumstämme zu überwinden. 

Man munkelt sogar, dass die Königin an steilen Stellen den Rock ganz auszog und nur in Hosen weiterging. In der Öffentlichkeit wäre das für eine "normale" Frau absolut unmöglich gewesen. Und für eine Königin? Eine Königin in Hosen - mitten im 19. Jahrhundert: Ein Skandal!

Doch im Schutz und Inkognito der Berge

gestaltete sich das ein wenig anders. 

Maries Söhne wuchsen teilweise in Hohenschwangau auf. Beide, Ludwig und  auch Otto verbrachten bereits kurz nachdem sie zur Welt gekommen waren, die ersten Wochen mit ihren Eltern in Hohenschwangau.  

Sobald sie älter wurden, unternahm Marie mit ihnen ausgedehnte Wanderungen in die Berge, Spaziergänge im nahe gelegenen Schwanseepark, Ausritte, Ausfahrten ins benachbarte Tirol oder zum Fischen an einen der vielen Seen oder Bäche. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes, König Max II., durfte sie Hohenschwangau weiterhin bewohnen. Ihr Sohn Ludwig, der nun frisch gebackener König war, machte dieses Schloss sogar zu ihrem Witwensitz, obwohl auch er es weiterhin nutzen wollte. 

 

Jetzt im Frühjahr 1889 war sie wieder hier. In ihrem geliebten Hohenschwangau, An dem Ort, an dem sie so viele glückliche Stunden verbracht hatte. Die 64-jährige Königin war  geschwächt und müde. Nur für wenige Stunden des Tages konnte sie ihr Bett verlassen. Marie besuchte täglich die Messe in der Schlosskapelle und ging, gestützt auf eine ihrer Hofdamen in den Schlossgarten um frische Luft zu atmen. Die Tage vergingen und sie wurde immer

schwächer. Es schwand ein weiteres Stück Lebenskraft. Nach und nach erkannten nicht nur die drei Krankenschwestern, die in Hohenschwangau für die Pflege der kranken Königin stationiert waren, dass Marie wohl nicht mehr gesund werden würde. Man informierte ihre nächsten Angehörigen über den kritischen Zustand der Königin. Von Maries direkter Familie war nur noch ihr Sohn Otto geblieben. Ihr Mann verstarb bereits vor 25 Jahren, ihr ältester Sohn Ludwig  vor 3 Jahren. Und Otto? - Er litt seit fast 20 Jahren an einer psychischen Erkrankung, die es ihm unmöglich machte ein normales  Leben zu führen.

Er lebte im Schloss Fürstenried bei München unter der ständigen Aufsicht und Pflege von Ärzten und Pflegern. Die Angehörige, die Marie jetzt am Ende ihres Lebens am nächsten stand war ihre Nichte Therese, Prinzessin von Bayern. Die Tochter ihres Schwagers, des Prinzregenten Luitpold. Therese, aber auch Luitpold und andere Familienangehörige reisten Anfang Mai nach Hohenschwangau um die Königin ein letztes Mal zu sehen. Während beinahe alle Familienmitglieder meist nach wenigen Tagen wieder abreisten, wich ihr Therese nicht mehr von der Seite. Am 16. Mai verschlechterte sich Maries Zustand dramatisch. Da die tief religiöse Königin nicht mehr in die Schlosskapelle zur heiligen Messe gehen konnte, wurde kurzerhand ein kleiner Altar im nahe gelegenen Ortsgeschichtenzimmer aufgestellt. Bis zu ihrem Tod, war Marie klar und wach, sie segnete die Anwesenden und dankten allen Menschen, die sich an ihrem Sterbebett versammelt hatten. Als sie am Morgen des 17. Mai 1889 für immer die Augen schloss, hielt Prinzessin Therese ihre Hand. Nicht nur Therese war zugegen, auch Maries Hofstaat war anwesend. Sogar allen Bediensteten des Schlosses wurde der Zutritt zum Sterbezimmer der Königin nicht verwehrt. Einige Tage später trat Maries Körper seine letzte Reise an. Die erste Fahrt der Eisenbahn vom neu errichteten Bahnhof in Füssen brachte den Sarg mit dem Leichnam von Königin Marie nach München. 

Heute jährt sich ihr Todestag zum 130. Mal.