Januar

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Endlich Königreich!

Die Geschehnisse am 1.1.1806

1. Januar

Am 1. Januar 1806 wird aus dem alteingesessenen Kurfürstentum Bayern ein Königreich.

Kurfürst Max IV. Joseph bestimmt nun als König Max I. Joseph die Geschicke seines Landes. Seine Frau Caroline ist Königin, sein erstgeborener Sohn Ludwig darf sich von nun an Kronprinz nennen. Die korrekte Anrede für die Prinzen und Prinzessinnen der Familie ist ab jetzt "königliche Hoheit"  und für Max und Caroline "Majestät". 

Bayern erhält endlich die lang ersehnte "Beförderung"! 

ENDLICH KÖNIGREICH!

Jetzt mag man meinen, dass der frisch gebackene König und seine Familie ein Fest nach dem anderen feierten und ihre neue Stellung ausgiebig mit viel Pomp und Prunk zur Schau stellten, wobei die gekrönten Häupter in der Münchener Residenz ausgelassen das Tanzbein schwangen.

Doch weit gefehlt.

Max I. Joseph war ein bodenständiger Geselle. Und auch in einem solchen "erhebenden" Moment zurückhaltend. 

Am 1. Januar 1806 bestellte er seine Minister und Würdenträger für 10 Uhr in die Münchner Residenz. Als sie alle im Thron- und Audienzsaal von Maximilians Ehefrau  versammelt waren soll er gesagt haben "Es freut mich Euch zu sehen. Ich wünsche Euch allen ein gutes neues Jahr. Und wir bleiben doch die alten!". Dann teilte er ihnen ohne "Tamtam" mit, dass er die Königswürde annehme.

Und das wars dann auch schon. Ein kleiner Staatsakt, der nur wenige Minuten dauerte,  jedoch alles nachfolgende maßgeblich veränderte. 

Aus heutigen Tagen kennt man die großen zeremoniellen Krönungen aus den noch verblieben Königreichen Europas. Man denke nur an die Krönung von Queen Elisabeth II. von England. Wie wird dann erst die Krönung in der Zeit eines souveränen Königreiches ausgesehen haben. Überwältigend, gigantisch und erhebend?

Auch hier leider weit gefehlt. Es gab keine Krönung. Gar keine. Max I. hatte zwar vor sich krönen zu lassen, wären zwei die Rahmenbedingungen besser gewesen. D.H. wären die Kroninsignien (also Krone, Zepter, Reichsapfel und Schwert) bei der Proklamation zum Königreich fertig gewesen. Und wäre der Max´ Wunschgeistlicher, nämlich der ehemalige Kurfürst von Trier,  zum Erzbischof von München ernannt worden, dann hätte es wohl bald eine Krönung gegeben.  ABER! 

Da erst am 26. Dezember 1805, also nur wenige Tage vorher, durch den Friedensvertrag von Pressburg die Erhebung Bayerns zum Königreich festgelegt wurde, war nicht genug Zeit die Kroninsignien rechtzeitig zu fertigen.

Im Mai 1806 wurde der Auftrag erteilt sich in der Königlichen Schatzkammer nach passenden Edelsteinen für "zwey königliche

Kronen, ein Scepter, nebst einem ReichsApfel und dem ReichsSchwerdte für unsere feierliche Krönung (…) anfertigen zu lassen." umzusehen. Der Pariser Martin-Guillaume Biennais wurde mit der Erschaffung der bayerischen Insignien betraut, die er 1807 fertigstellte.

Und dann war da ja noch der Wunsch nach dem passenden Geistlichen.  Max I. Joseph wartete darauf, dass Klemens Wenzeslaus, der gegenwärtige Bischof von Augsburg und frühere Kurfürst von Trier zum Erzbischof von München ernannt wurde. Dazu wurde  die Zustimmung der katholischen Kirche benötigt, die nach der vorausgegangen Säkularisation nicht mehr gut auf alles weltliche zu sprechen war. Das hierfür notwendige Konkordat fand erst 11 Jahre später, also 1817, statt. Nach so langer Zeit wollte man  keine Krönung mehr durchführen und Max´ Wunschgeistlicher Klemens Wenzeslaus war zu diesem Zeitpunkt  bereits seit fünf Jahren verstorben. Er starb 1812 in seiner Sommerresidenz in Marktoberdorf im heutigen  Allgäu. 

 

Wenn auch der Adel und die Staatsminister die neu gewonnene Erhebung erst einmal nicht sonderlich feierten, rollte durch die Münchner Bevölkerung eine bombastische Welle. 

In der Residenzstadt verkündeten 200 Kanonenschüsse, Glockengeläut sowie die Verlesung der Proklamation durch den Landesherold Joseph von Stürzer mit 

buchstäblichen Pauken und Trompeten die Erhebung des Landes zum Königreich. 

In den "Bauern-Discursen vom ersten und zweiten Jäner 1806" ließ man einen ländlichen Augenzeugen die Ereignisse am Neujahrstag 1806 erzählen:

"I bi halt a so dahin ganga, wast mir nix, dir nix, auf oamol habns springa angfangt, als wenns narrisch warn, da bi i halt a nachi, Reiter von der Stadt haben oan daher bracht, der hat an Huat aufgabt, wie die neuen Schützen, nur daß er viel blaue und weiße Federn ghabt hat, an blausamtan Janja hat er angabt und hindt und vorn a Wappn, zwoa Herrn sand neben seiner gritten in Uniform. Voraus sand gwest an Churfürst alle seine Trompeta und Pauka … Auf a mahl hat er a Papier raus 

 

 zogn, hat ebas runter glesen, hab´s aber net verstandn, wie´s fast aus war, habns zmal alle gschrien "Vievat", der Pauker hat drein gschlagn, daß i gmoant hab, er schlogt Löcha in d Pauken, und Trompeta haben blaßn, daß i glabt hob, sie zerspringa, da hob i mein Nachbar gfragt, was denn dös is, hat a mir gsagt, daß der Churfürst König ist, oaner is mitglofn der hat oan ganz Sack Zettl ghabt, hab a wollen oan dawischen, aber d´Leut haben mi net hinlassn …

Die Proklamation, die die Bayerische Bevölkerung zu hören bekam war: "Da durch die Vorsehung Gottes es dahin gediehen ist, dass das Ansehen und die Würde des Herrschers in Baiern seinen alten Glanz und seine vorige Höhe zur Wohlfahrt des Volkes, und zum Flor des Landes wieder erreicht, so wird der Allerdurchleuchtigste und Großmächtigste Fürst und Herr, Herr Maximilian Joseph, als König von Baiern, und allen dazu gehörigen Ländern hiermit feierlich ausgerufen, und dieses seinen Völkern allenthalben kund und zu wissen gemacht. Lange und glücklich lebe Maximilian Joseph unser allergnädigste König! 

Lange und glücklich lebe Caroline, unsre allergnädigste Königinn!"

 

Das neue Königshaus wollte jedoch unter allen Umständen vermeiden, dass es in der Welt den Anschein mache, Bayern wäre ein Königreich von "Napoleons Gnaden". So bezog man sich auf das Königreich Bayern zur Zeit der Agilolfinger. Aufgrund  dessen las man immer wieder von der "erneuerten" und "wiederhergestellten" Königswürde.

 

Doch nicht nur "Gutes" wie Gebietszuwachs war an diese neue Würde geknüpft. Mit dem Hochstift Eichstätt, der Markgrafenschaft Burgau, Passau, Tirol mit den Fürstentümern Brixen und Triest, Vorarlberg, der Grafschaft Hohenembs, der Grafschaft Königsegg-Rothenfels, den Grafschaften Tettnang und Argen, der Stadt Lindau, der freie Reichsstadt Augsburg und der Grafschaft Bondorf trat auch ein neuer Schwiegersohn ins Hause Wittelsbach ein. Napoleon verband die Erhebung des einstigen Kurfürstentums Bayern an die Heirat seines Stiefsohnes mit der ältesten Tochter Maximilians Auguste Amalie. 

 

Doch das ist eine andere Geschichte, die wir hier gern einmal erzählen!



7. 1. 1845 - Knapp am Ludwig II. vorbei

Der lang ersehnte Nachkomme

7. Januar

Im Jahr 1844 tuschelte ganz Europa über das Bayerische Könighaus. Es ging ausnahmsweise mal nicht um den 58-jährigen bayerischen König Ludwig I. - zumindest nicht direkt. Nein, dieses Mal tuschelte und tratschte man über seine Kinder. Man munkelte, dass alle Nachkommen Ludwigs I. unfruchtbar seien.

Fünf seiner neun Kinder waren bereits verheiratet, jedoch nach wie vor kinderlos. Sein ältester Sohn und Kronprinz Max war vor zwei Jahren vor den Traualtar getreten. Dessen Ehefrau Marie erlitt 1843 eine Fehlgeburt. Ludwigs älteste Tochter Mathilde war bereits seit zehn Jahren vermählt und noch immer nicht schwanger. Sein zweiter Sohn Otto, der amtierende König von Griechenland, wartete seit seiner Hochzeit vor acht Jahren auf den lang ersehnten Nachwuchs, der seine Krone sichern sollte. Auch bei Ludwigs Tochter Adelgunde  wollte sich partout keine Schwangerschaft einstellen.

Angesichts der fehlenden Nachkommen war König Ludwig I. mehr als nur angespannt. Schließlich ging es um den Erhalt der bayerischen und der griechischen Krone für seine Linie! 

Man mag sich vorstellen wie  der Jubel des Königs ausfiel, als sich bei der Ehefrau seines Sohnes Luitpold endlich die ersten Anzeichen einer Schwangerschaft zeigten. Am 7. Januar 1845 gegen Mittag schenkte sie dem lang ersehnten ersten Enkelkind des Königs das Leben. Ludwig I. war angesichts der anstehenden Geburt  aufgeregt. Er machte einen Spaziergang zum Siegestor, das gerade im Entstehen war. Kaum dort angelangt wurde er durch einen herbeieilenden Lakaien informiert, dass sich die Niederkunft bei Auguste Ferdinande ankündigte. 

So sehr sich der König auch beeilte. Bis er in der Residenz ankam, hatte der Enkel bereits das Licht der Welt erblickt. Es ging alles rasend schnell:
"Mit der mich durchflammenden Nachricht wurde ich empfangen, es wäre ein Prinz geboren (…) wohlgebildet ist er und gesund (…) Daß ich von dem im Bau begriffenen Siegesthore zum Neugeboreren kam, sei ein gutes Omen für ihn!" 

Das erste Enkelkind, das glücklicherweise auch noch ein Sohn war, sicherte somit den Fortbestand seiner Linie. Der König war überglücklich. Da mag es nicht  verwundern, dass dieser lang ersehnte Sprössling  den Namen "Ludwig" erhielt. Um genauer zu sein Ludwig Leopold Joseph Maria Aloys Alfred. 

Auch die Wahl des Taufpaten ist angesichts der vorausgegangenen Umstände nicht sonderlich überraschend - König Ludwig I. selbst übernahm die Patenschaft. 

Der neugeborene Prinz Ludwig, der "Erretter" der regierenden Wittelsbacher Linie, der  Krone für Ludwigs Familie und ein bisschen auch der Ehre des Königs selbst, wurde wie es sich für einen solchen Heilsbringer gehört, im Thronsaal der Münchener Residenz getauft. Unter den Blicken von zwölf überlebensgroßen 

vergoldeten Statuen ruhmreicher Wittelsbacher, die rechts und links des Thrones aufgestellt waren erhielt er noch am Tag seiner Geburt um drei Uhr nachmittags den ersten kirchlichen Segen. 

Der gesamte Hofstaat, das Offizierskorps sowie die Herren des diplomatischen Corps mit ihren Ehefrauen wurden zur Taufe geladen.

Die Mutter fehlte, wie  zu dieser Zeit üblich, bei der Taufe.  Sie erholte sich von den 

Strapazen der Geburt. 

Auguste Ferdinande hatte große Pläne für ihren Sohn. Sie erhoffte sich für ihn nichts geringeres als den bayerischen Königsthron. Er sollte sich einst als König Ludwig II. in die lange Reihe der Wittelsbacher Regenten einreihen.

Nur acht Monate später war der Traum von "König Ludwig II." ausgeträumt. Ein weiterer Ludwig, der lang ersehnte Nachkomme ihres Schwagers und Kronprinzen Max erblickte das Licht der Welt. Dieser Ludwig  würde nun als König Ludwig II. den bayerischen Königsthron einst besteigen. Augustes Ludwig wurde schließlich und endlich ja auch noch König. Zwar nicht als König Ludwig II. sondern König Ludwig III. 



Auf dem roten Podest v.l.n.r: Kaiser Napoleon, Kaiserin Josephine, König Max I. Joseph von Bayern, Königin Caroline von Bayern, Kronprinz Ludwig (der spätere König Ludwig I.) 

rechts in erster Reihe stehend: in weiß -  Prinzessin Auguste von Bayern (die Braut), in grün - Eugene de Beauharnais, Vizekönig von Italien (der Bräutigam)

Eine Hochzeit für Bayern

Trauung wider Willen

13. Januar

Am Neujahrstag 1806 wurde Bayern zum Königreich erhoben. Eine der Bedingungen für diese "Beförderung" war die Verheiratung der ältesten Tochter Königs Max Josephs mit Napoleons Stiefsohn
Diese Heirat musste nun, da alles unter Dach und Fach war unter allen Umständen vollzogen werden. Napoleon hatte dem "neuen" König Max I. Joseph unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass er und seine Familie in Bayern nichts mehr zu suchen hätten, sollte diese Ehe nicht zustande kommen. Er hatte sogar einen neuen König im Kopf, den er sofort an Maximilians Stelle einsetzen würde.
Die Braut Auguste, die sich Napoleon  für seinen Stiefsohn wünschte, reagierte schockiert auf ihre ausweglose Situation und verlieh ihrem Missfallen Ausdruck mit immer wiederkehrenden  Ohnmachtsanfällen.
Da diese Heirat nur wenige Tage vorher, am 26. Dezember 1805 beschlossen wurde, hatte Auguste nicht viel Zeit sich von ihrem Schock zu erholen. 
Am 31. Dezember 1805 fuhr Napoleons Kutsche in München ein. Gerade rechtzeitig um der  Erhebung Bayerns zum Königreich beizuwohnen. Wenige Tage später schrieb er an seinen Stiefsohn:
"Ich bin in München angekommen, ich habe Ihre Heirat mit der Prinzessin Auguste abgemacht; sie ist veröffentlicht worden. Heute morgen hat mir die Prinzessin einen Besuch gemacht, und ich habe mich ziemlich lange mit ihr unterhalten. Sie ist sehr hübsch. Ihr Bildnis finden Sie auf beifolgender Tasse, sie sieht aber besser aus." 
Der Bräutigam Eugene, seinem Stiefvater Napoleon treu ergeben, tat was man von ihm verlangte.
Er reiste umgehend nach München, wo er am 10. Januar eintraf.  Am selben Tag standen sich Braut und Bräutigam  das erste Mal gegenüber. Drei Tage vor ihrer Hochzeit, die am 13. Januar geplant war.

Einen Tag vor der feierlichen Trauung wurde Eugene  von seinem Stiefvater Napoleon adoptiert. Außerdem setzte er ihn als seinen Erben und Stellvertreter ein, sollte er selbst keine leiblichen Nachkommen  bekommen. 

Die Hochzeitsfeierlichkeiten fanden an zwei Tagen statt.

Nachdem der ausgehandelte Ehevertrag von beiden Parteien unterzeichnet wurde, vollzog der Kurerzkanzler von Dalberg am 13. Januar gegen mittags in der grünen Galerie der Münchener Residenz  die Ziviltrauung nach dem französischen Code Civil. 

Der große Raum war gefüllt mit den Hofstaaten und Familien sowie hohen Würdenträgern von beiden Seiten. Für Napoleon war es ein  wichtiges Ereignis. Er verband sich  durch die Hochzeit seines Adoptivsohnes mit dem europäischen Hochadel und konnte somit seine fehlende "hohe Geburt" ausgleichen.

Napoleon wollte diesen wichtigen Tag unbedingt für immer festhalten und beauftragte den Maler Francois-Guillaume Ménageot mit der Ausführung eines Gemäldes. Da dieser allerdings nicht in München sein konnte bat er den Maler Georg Dillis, alles vor Ort für ihn zu skizzieren.

Dem wachen Auge fällt vielleicht auf, dass Auguste jüngere Schwester, die 14-jährige Charlotte auf dem Bild nicht zu sehen ist. Sie wurde am Hochzeitstag versteckt und unter dem Vorwand einer Erkrankung entschuldigt. Das bayerische Königspaar hatte Angst, dass noch eine ihrer Töchter der ambitionierte Heiratspolitik  Napoleons zum Opfer fallen könnte. Augustes Bruder Ludwig, der nun seit wenigen Tagen zum königlichen Kronprinz aufgestiegen war, teilte diese Angst nicht nur für seine Schwester, sondern auch für sich selbst. Er befürchtete, dass auch er eine von Napoleon vorgesetzte Französin heiraten müsse. So begab er sich schnellstmöglich 

auf Brautschau und heiratete 1810 Prinzessin Therese von  Sachsen-Hildburghausen. (Aus dieser Hochzeit entstand das legendäre Oktoberfest - siehe Wiesn Spezial).

Am darauffolgenden 14. Januar 1806 zelebrierte man die kirchliche Trauung nach bayerischem Ritus. Gegen Abend läutetet sämtliche Glocken der festlich beleuchteten Hauptstadt. Kanonenschüsse hallten durch die Gassen und Straßen als Eugene und Auguste in der Hofkapelle vor den Traualtar schritten. Der Bräutigam wurde von seinem Adoptivvater Kaiser Napoleon und seinem zukünftigen Schwiegervater König Max I. Joseph geführt. Die Braut schritt an der Seite ihrer Stiefmutter König Caroline und ihrer zukünftigen Schwiegermutter Kaiserin Josephine zum Altar. 

Nach der Trauung stand ein Besuch des Hoftheaters auf dem Programm, gefolgt von einem Diner in der grünen Galerie der Residenz. Napoleon und alle Anwesenden waren bester Laune. So auch die Münchener Bevölkerung, die trotz -6°C Schnee und Wind die Nacht unter freiem Himmel durchfeierte.

Obwohl Eugenes und Augustes Verheiratung arrangiert war verliebten sie sich ineinander und führten eine glückliche Ehe. Wenige Tage nach ihrer Hochzeit reisen sie nach Italien, da Eugene seit einem Jahr der von Napoleon eingesetzte Vizekönig Italiens war.

Damit endet die turbulente Geschichte von Eugene und Auguste noch lange nicht. Doch das ist eine andere Gschichte, die wir hier ein anderes Mal erzählen werden. 



Die Heldin von Gaeta

Sisis kleine Schwester

19. Januar

Am 4. Oktober 1841 wurde Herzogin Ludovika in Bayern von ihrem fünften Kind entbunden. Es war ein Mädchen, das den Namen Marie Sophie Amalie erhielt. 

Wie alle Kinder aus dem Herzoglichen Hause Max in Bayern verlebte auch Marie eine unbeschwerte und freie Kindheit. Ihre Mutter Ludovika widmete sich selbst der Erziehung der Kinder, was damals in Adelskreisen eher unüblich war. So sehr die Mutter mit Anwesenheit brillierte, so sehr glänzte der Vater mit Abwesenheit.  Während seinen seltenen Aufenthalten bei Frau und Kindern erhielten Marie und ihre Geschwister lehrreichen Unterricht im Reiten, Schwimmen, Fechten und auch Schießen. 

Mit der ambitionierten Heiratspolitik der Mutter endet das Kinderparadies. Im Alter von 18 Jahren heiratete Marie am 8. Januar 1859 den Erbprinzen Franz von Neapel-Sizilien. Und das, obwohl ihr Vater sie vor diesem Schritt gewarnt hatte: "Heirate ihn nicht! Er ist ein Trottel!" soll er seine Tochter geschrieben haben.

Aller Warnung zum Trotz fand die Hochzeit  per procua in der Münchener Residenz statt. Heißt der Bräutigam war bei der Trauung nicht anwesend. Marie heiratete einen Mann, den sie vorher noch nie gesehen hatte. Lediglich ein Bild von ihm wurde ihr gezeigt. Über sein Wesen, seine Art, seinen Charakter wusste sie nichts. Wenige Tage nach ihrer Heirat fuhr sie als frisch gebackene Herzogin von Kalabrien und Kronprinzessin von Neapel über Wien und Triest nach Bari, ihrer neuen Heimat. 

Hier traf sie das erste Mal auf den Ehemann. Sie war absolut enttäuscht. Marie hatte quasi "Die Katze im Sack gekauft". Franz war weltfremd, überaus religiös (man sagte er sortierte gerne seine Heiligenbildchen), schüchtern, still, schwermütig und wohl in 

allen körperlichen Angelegenheiten absolut ungeübt.  Ob dieser Zustand nun ein Fluch oder doch ein Segen war? 

Drei Monate nach ihrer Ankunft in der neuen Heimat, dem Königreich Neapel-Sizilien starb ihr Schwiegervater Ferdinand II..
Marie und ihr Ehemann wurden das neue Königspaar. Der labile Thronfolger und seine junge, unerfahrene Ehefrau bestanden nicht gegen die starke erst 43-jährige Königin-Witwe Maria Theresia.

Sie forderte unter allen Umständen die Regentschaft für sich und ihre Kinder. Franz war nur ihr Stiefsohn. Sie gewann diesen Kampf  - vorerst. 

Die junge Königin Marie machte das beste aus der Situation und versuchte ihr Leben in vollen Zügen zu genießen. Sie widmete sich der Mode, kaufte Hunde und Vögel, schwamm im Meer, rauchte in aller Öffentlichkeit und ritt mit offenem, wehendem Haar durch die Stadt. Eigentlich keine Beschäftigungen für eine Königin. Marie war das egal.

Sie wurde zu einer der drei interessantesten Adeligen Europas und in einem Atemzug mit ihrer vier Jahre älteren Schwester Sisi oder Josephine de Beuaharnais genannt. 

So hätte es weiter gehen können. Jedoch brodelte es in der Bevölkerung Italiens. Man wünschte sich ein geeintes Königreich. Das bedeutete, dass auch das Königreich Neapel-Sizilien, Maries Königreich, in einem Italien aufgehen sollte. 

1860 begannen die Aufstände. Im September erreichten die Revolutionäre Neapel. Marie, ihr Mann und deren Gefolge flohen in die befestigte Stadt Gaeta, in der sich  bereits die "geliebte" Schwieger-Stiefmutter aufhielt. Im November desselben Jahres gingen die Kämpfe los. Gaeta wurde belagert. 

Lange hielt die Stadt der Belagerung nicht stand. Aufgrund der plötzlich fünffach höheren Bevölkerung wurde die Verpflegung schnell knapp, es gab kein Futter mehr für die Pferde, die Hygiene der Stadt ließ mehr und mehr zu wünschen übrig. Es brach Typhus aus. 

Marie dachte  nicht daran aufzugeben. Sie ging durch die Reihen der Bevölkerung und sprach ihnen Mut zu. Sie besuchte Verletze in den Lazaretten und stand zwischen den Soldaten auf den Befestigungsanlagen an vorderster Front. 

Furchtlos und kämpferisch versuchte sie ihrem Volk eine wahre Königin zu sein und wich den Menschen nicht von der Seite. 

Ihr Heldenmut sprach sich schnell weit über die Grenzen Italiens herum. Auch deutsche Zeitungen berichteten von der jungen Wittelsbacher Frau, die  mit einer Jean d´Arc verglichen wurde.

Allem Heldenmut und aller Tapferkeit zum Trotz musste das Königspaar am 13. Februar 1861 die Kapitulationsurkunde unterzeichnen und ihr einstiges Reich verlassen. Mit dem Abschied des Königspaares endete die Existenz des Königreichs Neapel-Sizilien. Die Geschichte seiner letzten Königin, der bayerischen Herzogin Marie geht weiter. 
Aber das ist eine andere Geschichte. 

Heute jährt sich ihr Todestag zum 94. Mal.



Sophie von Bayern

Sisis Tante und Schwiegermutter

27. Januar

Betrachtet man die Familienverhältnisse von Sisi fällt  auf, dass nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre Schwiegermutter eine bayerische Prinzessin war. Viel mehr noch - die beiden waren sogar Schwestern. Sisis Mutter Ludovika war die zweitjüngste Tochter von König Max I. Joseph und Königin Karoline. Sisis Schwiegermutter Sophie und ihre Zwillingsschwester Maria Anna waren nur drei Jahre älter. Maria Anna würde einst Königin von Sachsen werden.

 

Die Sissi-Filme von Ernst Marischka hiterließen in vielen von uns ein konkretes Bild der "bösen" Schwiegermutter der ach so lieben, süßen und herzensguten Sissi. Sophie wurde als kalt und herzlos dargestellt. Doch wie viel Wahrheit enthält diese Charakterisierung? War sie so wie Ernst Marischka sie darstellte? Und wie kam die junge bayerische Prinzessin überhaupt an den Wiener Hof? 

 

Sophies Eltern hielten sich wie alle europäischen Fürsten  während des Wiener Kongresses 1814/15 in der österreichischen Hauptstadt auf. Dort fassten sie den Entschluss eine ihrer Töchter mit einem Erzherzog aus Österreich zu verheiraten. Eine Verbindung mit dem Kaiserhaus galt als überaus erstrebenswert. Dadurch, dass Sophie zu einer intelligenten, scharfsinnigen und zugleich bildhübschen jungen Frau herangereift war, sahen sie ihre Eltern in einer regierenden Position. Der österreichische Thronfolger Ferdinand wäre wohl die beste Partie für eine solche königliche Prinzessin, dachten sich die beiden. Bis sie ihn zu Gesicht bekamen, den Thronfolger. Sophies Mutter, Königin Karoline war schockiert. Erzherzog Ferdinand war nicht ganz das was sie sich für ihre Tochter erhofft hatte. Ferdinand war von Geburt an krank. Er hatte einen Wasserkopf (Hydrocephalus), litt unter Rachitis und epileptischen Anfällen. Das hatte große Spuren an seinem Äußeren hinterlassen. Seine geistige und körperliche Entwicklung war weniger fortgeschritten, wie die Gleichaltriger (er war 1814 einundzwanzig Jahre alt). Karoline wollte ihre Tochter nicht zu dieser Verbindung zwingen. Somit verlief das Thema Österreich wieder im Sande. 

 

Allerdings nicht gänzlich. 1823 kamen die Österreichischen Erzherzöge wieder auf den bayerischen Heiratsplan. Sophie sollte sich diesmal aber nicht mit deren Thronfolger Ferdinand verheiraten sondern mit seinem jüngeren Bruder Franz Karl. 

Wie dieses plötzliche Wiederaufkeimen des Österreichischen Hofes in Bayern zustande kam ist nicht ganz klar. Man mag allerdings vermuten, dass Sophies ältere Halbschwester Karoline Charlotte, die zwischendurch den regierenden  österreichischen Kaiser Franz I. geheiratet hatte, irgendwie ihre Finger im Spiel hatte. Kaiserin Karoline Charlotte wurde die vierte Frau des Kaisers, nachdem ihre drei Vorgängerinnen verstorben waren. Es wird gemunkelt, dass der Kaiser bei der Vermählung sagte: "Hoffentlich heirat ich ned scho wieder a Leich!"

Die Partie mit Franz Karl galt  politisch als fast genauso erstrebenswert wie die mit seinem älteren Bruder Ferdinand. Denn aus jüngsten ärztlichen Gutachten ließ sich mutmaßen, dass der junge Thronfolger wohl nur mit großen Risiken eine Ehe vollziehen kann und diese womöglich zu seinem Tod führen könnte. Außerdem sei sein Gesundheitszustand schlecht und erlaube ihm keine lange Lebenserwartung. Sophie hätte somit auch an der Seite des jüngeren Bruders Franz Karl eine reelle Chance Kaiserin von Österreich zu werden. 1824 begegneten sich die zukünftigen Eheleute dann das erste Mal in Tegernsee. Sophies Mutter berichtete in einem Brief: "Ich danke dem Himmel, dass Sophie so vernünftig ist. Mich würde er zu Tode langweilen. Manchmal halte ich es nicht mehr aus. Dabei ist er gebildet, sagt man, und er beginnt, sehr verliebt zu werden. Das sollte mich freuen, aber ab und zu möchte ich ihn schlagen. Und Sophie ist so hübsch und geistreich!"
 Franz Karl war wohl kein Adonis und auch in geistigen Angelegenheiten eher träge und gemütlich. Sophie bemerkte schnell die intellektuellen Differenzen zwischen ihr und ihrem Zukünftigen. Trotzdem sagte sie "Ja".

Ende September sollte die Braut in Begleitung ihrer Eltern die Reise nach Wien antreten. Doch sie wurde krank. Die

 Abreise wurde auf Mitte Oktober verschoben, was die Braut nicht sonderlich störte. Hatte sie  dadurch noch eine  Gnadenfrist erhalten.  Als die Abreise wegen eines Unfalls ihrer Mutter erneut verschoben werden musste,  verlängerte sich die Gnadenfrist ein weiteres Mal. Der Bräutigam, der sich wirklich in Sophie verliebt hatte, machte sich ernsthafte Sorgen und stand eines schönen Oktobertages vor ihrer Tür in München. So war es Ende Oktober dann tatsächlich soweit. Sophie begab sich auf ihren Brautzug nach Wien. An ihrer Seite die Mutter und ihr Verlobter. Am 1. November erreichten sie Schönbrunn. Vier Tage später fand die feierliche Hochzeit von Prinzessin Sophie von Bayern und Erzherzog Franz Karl von Österreich in der Augustinerkirche in der Wiener Hofburg statt.

Nicht allzu lange Zeit später würde man von Sophie als "dem einzigen Mann am Wiener Hof" sprechen. Aber das ist eine andere Gschichte aus der Geschichte, die wir an dieser Stelle gerne einmal erzählen werden. 

Heute jährt sich ihr Geburtstag zum 214. Mal.