Februar

"Hoffentlich heirat ich ned scho wieder a leich!"

Die außergewöhnlichen Ehen einer der Prinzessin Charlotte von Bayern

8. Februar

Heute vor 226 Jahren, am 8. Februar im Jahre 1792 erblickte in Mannheim, das vierte Kind von Max Joseph von Pfalz-Birkenfeld und seiner Frau Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt das Licht der Welt. Dass der stolze Vater in wenigen Jahren zuerst Herzog von Pfalz-Zweibrücken, dann Kurfürst von Pfalz-Bayern und schließlich der ersten König von Bayern sein würde, ahnte damals noch niemand. 
Die kleine Tochter erhielt den Namen Charlotte Auguste Karoline. Ihre Kindheit war durchzogen von vielen schicksalhaften Begebenheiten. Die Mutter starb, als Charlotte erst vier Jahre alt war. Kurz darauf musste die herzogliche Familie aus der Heimat fliehen, nachdem dort Unruhen ausgebrochen waren. Im Exil lernte Charlottes Vater seine zweite Frau kennen, die er kurz darauf heiratete. Die bildhübsche badische Prinzessin Caroline.  Charlotte und ihre drei Geschwister bekamen eine Stiefmutter. 

Von da an meinte es das Schicksal gut mit der Familie. Die Wogen der turbulenten Jahre glätten sich allmählich. Ihr Vater wurde zum ersten König Bayerns ernannt, als Charlotte  vierzehn Jahre alt war, also  im, für die Zeit und ihren Stand, besten heiratsfähigen Alter. Napoleon gestaltete gerade Europa nach seinen Wünschen um. Er strebte eine weitreichende Heiratspolitik an, die auch vor Charlottes älteren Schwester Auguste nicht halt machte. Diese wurde mit Napoleons Adoptivsohn Eugene de Beauharnais verheiratet. Aus Angst Charlotte könnte das selbe Schicksal ereilen, wurde sie bei den Hochzeitsfeierlichkeiten in der Residenz kurzerhand versteckt und aufgrund einer plötzlichen Erkrankung entschuldigt. Jedoch entkam auch sie der napoleonischen Heiratspolitik nicht. Allerdings indirekt.
Der württembergische Kronprinz Wilhelm hatte, wie so viele Prinzen und Prinzessinnen, große Angst Napoleons Ehepolitik zum Opfer zu fallen und wählte deshalb schnellstmöglich "irgendeine" Prinzessin zur Braut. Schon bald hielt er um die Hand der jungen Charlotte an.
Am 8. Juni 1808 fand die feierliche Vermählung 

der beiden in München statt. Der Bräutigam verhielt sich seltsam. Während der Zeremonie benahm er sich kühl, distanziert gegenüber seiner Braut. Als das frisch gebackene Ehepaar die Münchener Hauptstadt gen Württemberg  verließen, lehnte er es  ab in derselben Kutsche wie seine Frau zu fahren. Eines wurde schnell klar: Wilhelm schloss diese Ehe  ausschließlich zum Schutz vor Napoleons Heiratspolitik. Zum großen Leidwesen der Braut. Sie fiel, wenn auch nur indirekt, Napoleon zum Opfer.
Ihre Stiefmutter berichtete: "Ihr Mann ist von eisiger Kälte. Ich begreife, dass er nicht verliebt sein kann. Warum hat er sie aber geheiratet, wenn er sich ihr nicht einmal nähern will? Er hat ihr nicht einmal die Hand gegeben, von Umarmung ganz zu schweigen."
Charlotte und Wilhelm sahen sich nur selten. Sie bewohnte zwar beide dasselbe Schloss, ihr Mann ließ die Wohnräume Charlottes allerdings so weit wie möglich von den seinen entfernt einrichten. Die Ehe wurde nie vollzogen. 
Eines Tages wendete sich das Blatt. Napoleons Sturz im Jahr 1814 brachte das Ende für die Ehe von Charlotte und Wilhelm mit sich. Ihr Ehemann musste nun nicht mehr an einer Schutzehe festhalten und ließ sich scheiden. Zwei Jahre später wurde die Ehe von Papst Pius VII.  annulliert.

Charlotte kehrte nach Bayern zurück und wohnte in der Münchener Residenz. Was in ihr wohl vorgegangen sein muss? In einer Zeit, in der eine Ehe immer bis dass der Tod uns scheidet bedeutete, wurde die ihrige geschieden. War sie  erleichtert? Bedeute ihr Scheitern  eine Niederlage?
Der nächste Ehemann ließ nicht lange auf sich warten. Charlottes Bruder Ludwig, der spätere König Ludwig I., hatte sich bereits einen neuen Mann für seine kleine Schwester ausgesucht. Großherzog Ferdinand III. von Toskana sollte es werden. Er war der Bruder des österreichischen Kaisers Franz I. Auch der österreichische Staatskanzler Fürst von Metternich hatte bereits ein Auge auf die bayerische Prinzessin geworfen. Allerdings nicht für Ferdinand III. sondern für den Kaiser selbst. Franz I. war gerade zum 

dritten Mal Witwer geworden und auf der Suche nach einer vierten Frau. Charlotte durfte bei dieser Werbung um ihre Person sogar mitreden und mitentschieden, ob es nun der österreichische Kaiser oder sein Bruder Ferdinand werden sollte. 
Schließlich wurde es der Kaiser. Die Hochzeitsfeierlichkeiten wurden sowohl in München als auch in Wien abgehalten. 
Am 29. Oktober 1816 trat die nochmalige Braut in der Münchner Hofkapelle vor den Traualtar. Ohne den Bräutigam. Dieser wurde durch Charlottes älteren Bruder Ludwig vertreten. Erst bei den Vermählungsfeierlichkeiten in Wien waren die 24-jährige Braut und der 48-jährige Bräutigam vereint. Der Kaiser soll im Hinblick auf seine vierte Vermählung gesagt haben: "Hoffentlich heirat i ned scho wieder a Leich!"
Die Ehe blieb kinderlos, aber  glücklich. Charlotte, die von nun an Kaiserin von Österreich war, nannte sich Karoline und versuchte somit mit ihrem bisherigen Rufnamen "Charlotte" auch die schauderhafte württembergische Vergangenheit hinter sich zu lassen.