8. Dezember

im Adventskalender

Königin Marie und die Frauen aus Zwiesel

Im März 1848 bestieg Maximilian als König Max II. den bayerischen Königsthron. Sein Vater König Ludwig I. dankte aufgrund mehrerer unüberwindbarer Hindernisse zu seinen Gunsten ab. Maximilians Ehefrau wurde dadurch zur Königin von Bayern erhoben. 

Nachdem sich Max und Marie in ihre neuen Rollen eingefunden und sich die politischen Unruhen ein wenig gelegt hatten, bereisten sie ihr Königreich.  Im Sommer 1849 ging die Reise los. Sie starteten in Franken. Nach Aufenthalten in den Städten Nürnberg, Fürth, Erlangen, Bamberg, Bayreuth und Würzburg ging es weiter in die Oberpfalz. In Zwiesel passierte etwas, dass den Zeitplan des großen Trosses erheblich durcheinanderwirbelte. Auf der Reiseroute waren Haltepunkte organisiert, an denen die Pferde gewechselt werden sollten. An einem der Haltepunkt  waren jedoch keine Pferde für die Kutsche der königlichen Kammerfrauen mehr übrig. Die einzigen Pferde, die man noch bekommen konnte waren zwei Arbeitspferde, zwei richtige Ackergäule. Da es einfach keine andere Möglichkeit gab, wurden sie angespannt. Die Gesellschaft fuhr voran, die Kammerfrauen folgten sehr viel langsamer.  Arbeitspferde sind zwar stark, aber nicht sehr schnell. Die Kammerfrauen sind quasi von einem Sportwagen in einen Traktor umgestiegen. 

Königin Marie und König Max waren unterdessen schon längst in Zwiesel angekommen. Für den gleichen Abend plante man eine feierliche Abendgesellschaft, bei der die Königin natürlich hoheitlich gekleidet erscheinen sollte und wollte. Ohne Kammerfrauen war das in der damaligen Zeit fast nicht möglich. Die Kleider waren mit unzähligen Haken und Ösen ausgestattet. Die Korsagen hinten verschnürt und die Röcke an die Mieder mit Knöpfen so angebracht, dass sich eine Frau für einen festlichen Anlass alleine niemals hätte an und ausziehen können.  Selbst wenn sie das gewollt hätte. 

Einige Damen aus Zwiesel erfuhren von den fehlenden Kammerfrauen und fragten höflich nach, ob sie der Königin behilflich sein durften.

Die 23-jährige Marie war überglücklich über dieses Angebot und stimmte dem Vorschlag freudig zu. 

Das Ankleiden begann. Die Zwieseler Damen kamen nicht so schnell voran wie die Kammerfrauen. Aber nur, da die Königin sich wunderbar mit ihnen unterhielt und die Damen bat sich ebenso ungezwungen mit ihr zu unterhalten. Die Damen waren ganz angetan von der jungen Königin und sie von der Freundlichkeit der Zwieseler Frauen. Ob sie es  noch rechtzeitig zur Abendgesellschaft geschafft hat, ist allerdings nicht überliefert.