6. Dezember

im Adventskalender

"und plötzlich kam der König"

Wie in so manchem Jahr zuvor, verbrachte König Ludwig II. Weihnachten in Hohenschwangau. Er liebte es Geschenke zu machen. Deshalb erschien kurz vor Heilig Abend der ein oder andere Lieferant im Schloss Hohenschwangau um das Bestellte rechtzeitig abzuliefern. Wie auch ein junger Juwelier aus München.
Er ließ es sich  nicht nehmen die lange Anreise ins Alpenvorland anzutreten um die gewünschten Schmuckstücke persönlich abzugeben. Schließlich sollte nichts schief gehen. 

Im Schloss angekommen, geleitete ihn ein Diener in das Billardzimmer im ersten Stockwerk. Der große Billardtisch in der Mitte des Raumes war mit einer schweren, fast bodenlangen Tischdecke zugedeckt. Darauf befanden sich bereits die unterschiedlichsten Geschenke. Einige  verpackt, andere unverpackt. 

Als der Juwelier das Billardzimmer betrat, verabschiedete sich der Diener mit den Worten er solle sich ja beeilen. Seine 

 

Majestät halte sich in den Räumen im zweiten Stock auf und könne quasi jeden Augenblick nach unten kommen. Er habe ausdrücklich gewünscht niemanden zu Gesicht zu bekommen. 

Gesagt, getan. Sogleich begann der junge Mann die mitgebrachten Schmuckstücke auf dem Tisch auszubreiten. 

Da hörte er Schritte. Sie kamen immer näher. Der König kommt, dachte der Juwelier erschrocken. Sofort suchte er fieberhaft nach einem Ausweg. 

Vor lauter Hektik wusste er sich nicht anders zu helfen als unter den Billardtisch zu kriechen. Just in dem Moment als seine Füße unter dem Tisch verschwanden betrat der König den Raum. 

Dieser schritt um den Tisch herum, blieb immer wieder stehen und betrachtete die aufgereihten Geschenke. Nach einer Weile begann der Monarch die Gegenstände auf dem Tisch umzuräumen. 

Plötzlich ergriff den Juwelier unter dem Tisch ein starker Hustenreiz,  den er nicht

mehr unterdrücken konnte. Der König rief erschrocken: "Wer ist da?" 

Der Hustende kam unter dem Tisch hervorgekrochen. Am ganzen Leib zitternd versuchte er dem König zu erklären, weshalb er  unter dem Billardtisch gesessen hatte und bat vielmals um Verzeihung.

Er fürchtete sich davor wie Ludwig II. wohl reagieren würde. Jedoch verwandelte sich die erschrockene und zornige Miene des Monarchen schnell in ein schmunzelndes Lächeln.

Dann sagte er: "Na, ist schon gut. Sie haben hier unten genug ausgestanden. Gehen Sie."