4. Dezember

im Adventskalender

Einladungen in dieses Haus waren heiß begehrt

das Herzog-Max-Palais

In den Dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts, als König Ludwig I. Bayern regierte, bestand das  gesellschaftliche Leben Münchens aus Bällen, Theateraufführungen und anderweitigen Abendveranstaltungen. Verkehrte man in gewissen Kreisen standen regelmäßig Balleinladungen in die Residenz auf dem Programm, jedoch war die eigentlich erste Adresse bei abendlichen Amüsements das Herzog-Max-Palais. 

Rief der junge Herzog, kamen sie alle.   

Dieses hochherrschaftliche Haus an der neu angelegten Ludwigstrasse war  ausgestattet mit diversen prachtvollen Salons, Kabinetten und Sälen. Das Herzstück bildete ein Ballsaal. Dieser erstreckte sich über zwei Stockwerke. Im oberen Bereich befanden sich zwei Galerien für Musiker oder Gäste. Die Wandverkleidung bestand aus hellem Stuckmarmor auf dem eine hellblaue Quadrierung angebracht war. Eine Kassettendecke bildete den Abschluss, des teilweise vergoldeten Raums mit Gemälden von Wilhelm von Kaulbach.  Hier tanzten hübsche Frauen in prachtvollen Kleidern mit eleganten Herren in Galauniform oder Frack. Es wurde geplauscht, geschwatzt und getuschelt, gelacht und sich amüsiert.

Zum Einweihungsball, des neu errichteten Palais, strömten mehr als 600 geladene Gäste in das Stadthaus des Herzogs und staunten über die edle Ausstattung.

Bei dieser einen Großveranstaltung sollte es nicht bleiben. Max fand Spaß an der Organisation von Bällen und anderen Belustigungen jeglicher Art. Die Ideen gingen ihm nicht aus. Seine Einladungen waren heiß begehrt. Zu jeder Jahreszeit hatte er die passende Veranstaltungsidee. Das Herzog-Max-Palais besaß sogar ein eigenes Theater. Darüber hinaus ließ er in seinem Garten eine Zirkushalle errichten. In dieser jagten sich die Pferde der Kunstreiter, es gab Dressurvorstellungen oder Quadrillen. Auch der Herzog zeigte hier sein reiterliches Können.  Die Gäste standen oder saßen in den Logen und beobachteten gespannt das atemberaubende Geschehen in der Arena. 

Dass sich aus diesem Gebäude einmal ein solcher Szenemittelpunkt entwickeln würde, hatte wohl niemand geahnt, als es gebaut wurde.

Die Verlobung Maximilians mit Prinzessin Ludovika von Bayern war unter Dach und Fach und man war auf der Suche nach einer standesgemäßen Behausung für das bald frisch vermählte Paar. Da trat König Ludwig I. auf den Plan. Er hatte die passende Idee für seinen Schwager in Spe und präsentierte ihm zwei Möglichkeiten unter denen Max wählen konnte, oder eher wählen "musste". Entweder solle er an der im Entstehen  befindlichen Ludwigstraße neu bauen oder das alte Palais Törring-Jettenbach kaufen und die schreckliche Fassade ändern, die Ludwig schon so lange störe, da sie überhaupt nicht in sein Gesamtkonzept passe. 

Max entschied sich für den Neubau. Da er noch nicht volljährig war, musste sein Großvater zustimmen. 

Damit war es aber noch nicht getan. Natürlich hatte König Ludwig I. auch bei der Wahl des Architekten und der Außenansicht seine genauen Vorstellungen. Max` Mitspracherecht schrumpfte. Man kann sagen, es existierte nicht. Sein Schwanger, der König hatte eigentlich das Sagen. Der Regent schlug ihm mit Nachdruck seinen Lieblingsarchitekt Leo von Klenze vor, der den Zuschlag, wie konnte es anders sein, erhielt. Ludwig bestimmte die Gesimshöhe, die Anzahl der Fensterachsen, die Anzahl der Stockwerke und die Fassadenfarbe.

Max zahlte. Sein Schwager schaffte an. Das neue Palais musste ins königliche Gesamtkonzept passen. Der junge Herzog gehorchte und hatte keine Widerworte. Ludwig I. war zufrieden.

Bei der Inneneinrichtung bzw. bei der Raumaufteilung unterlag Max allerdings keinen Auflagen oder Vorgaben seines Schwagers. Hier konnte er frei bestimmen. Die Anordnung der Räume des Herzog-Max-Palais entsprach ganz und gar nicht dem üblichen Muster. Max ließ sich sein eigenes 

Appartement nicht, wie es Gang und Gebe war, im ersten Obergeschoss einrichten. Nein. Seine Räumlichkeiten wurden im Erdgeschoss platziert.  Dies verschaffte ihm die Freiheit zu kommen und zu gehen wann immer es ihm beliebte und ohne gesehen zu werden. 

Die perfekte Wohnung für den freiheitsliebenden Herzog. Er war in seinem Leben so vielen Zwängen unterworfen, dass er jede sich ihm bietende Möglichkeit auf Freiheit voll und ganz ausschöpfte.

Ein weiterer Zwang, der ihm auferlegte wurde war seine Ehe. Seine Braut heiratete er nicht aus freien Stücken, sondern weil es sein Großvater und der Vater der Braut, König Max I. Joseph so bestimmt hatten. Er 

traute sich  damals nicht ihnen zu widersprechen. Gefangen in seiner Ehe, nahm er es mit der Treue zu seiner Frau   nicht so genau. Er pflegte diverse Liebschaften und zeugte einige uneheliche Kinder. Es heißt, dass der Herzog in späteren Jahren während der Mittagszeit für niemanden zu sprechen war, weil er dann mit seinen beiden unehelichen Töchtern ungestört zu Mittag essen wollte.

Aber auch seine ehelichen Kinder wurden von Max geliebt. Seine liebste Tochter aus der Ehe mit Herzogin Ludovika war Sisi, die spätere Kaiserin von Österreich. Sie erblickte sogar im Herzog-Max-Palais das Licht der Welt.

Leider ist dieses wunderschöne, herrschaftliche Gebäude heute nicht mehr existent. Es wurde 1937 von den damaligen Machthabern zerstört. 

Der Erbauer dieses denkwürdigen Gebäudes Max Herzog in Bayern erblickte heute vor 210 Jahren, am 4. Dezember 1808 das Licht der Welt.