12. Dezember

im Adventskalender

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Prinzregent Luitpold gestorben

Donnerstag, 12. Dezember 1912

München trauert. Heute morgen gegen 5.00 Uhr verstarb Prinzregent Luitpold von Bayern. Seine königliche Hoheit wurde 91 Jahre alt.

Im Kreise seiner Familie ist der Prinzregent heute morgen von uns gegangen. Sein Enkel Prinz Rupprecht, seine Tochter Prinzessin Therese sowie seine Schwiegertochter Marie Therese standen an seinem Bett und beteten. Es ist kein plötzlicher und überraschender Tod. War Seine königliche Hoheit doch schon länger nicht mehr bei bester Gesundheit. Das hohe Alter hatte seine Spuren hinterlassen. So plagten ihn Schwerhörigkeit und ein stetig eingeschränktes Sehvermögen. Schon seit Monaten quälten ihn immer wieder Hustenanfälle sowie geschwollene Füße und Hände. Anfang des Monats hatte sich zu dem bereits bestehenden Husten ein ausgeprägter Bronchialkatarrh entwickelt. In der vergangenen Nacht kam noch ein hohes Fieber hinzu, einhergehend mit Herzrhythmusstörungen und einem  Lungenödem. Seine Familie wich nicht von seiner Seite. Der Nuntius überbrachte noch den päpstlichen Segen. Heute Morgen um 5.00 Uhr versagten seine Kräfte. 

Prinzregent Luitpold kann auf ein sehr langes und ereignisreiches Leben zurückblicken. Bei seiner Geburt regierte noch sein Großvater König Max I. Joseph, 

dessen Lieblingsenkel er gewesen sein soll. Aufgrund von zwei älteren und somit vorrangigen Brüdern schlug er eine militärische Laufbahn ein. Aus der im Jahre 1844 geschlossenen Ehe mit Erzherzogin Auguste Ferdinande von Österreich-Toskana gingen vier Kinder hervor. Erst im Alter von 65 Jahren übernahm er die Bayerische Regierung in Vertretung für seinen Neffen König Ludwig II. von Bayern. Als Ludwig II. nur wenige Tage später verstarb ging die Königswürde an seinen jüngeren Bruder Otto über. Da König Otto aufgrund einer Nervenerkrankung regierungsunfähig ist übernahm Luitpold die Regierungsgeschäfte auch für ihn. Die Königswürde blieb aber bei seinem Neffen Otto, der bis heute fernab der Öffentlichkeit im Schloss Fürstenried bei München residiert. 

Sein Start in die Regentschaft gestaltete sich durch den Tod Ludwigs II. als sehr konfliktbeladen. Er musste  sich  gerade in seinen Anfangsjahren immer wieder mit schweren Vorwürfen auseinandersetzen. Wie uns ein Insider mitteilte, hatte er nach der Königskatastrophe gesagt: "Man wird sagen, ich sei der Mörder!"
Er schaffte es die Hochachtung und die Liebe seines Volkes zu gewinnen. Durch 

seine Güte, Gerechtigkeit und Bodenständigkeit erfuhr er große Beliebtheit. Die 26 Jahre seiner Regentschaft werden als die goldene Prinzregentenzeit in die Geschichtsbücher einziehen.  Die Nachfolge tritt sein Sohn Prinz Ludwig von Bayern an, der nun als neuer Prinzregent die Geschicke Bayerns lenken wird. Man erwartete Prinzregent Ludwig heute Abend zurück. Er befand sich in Ungarn und begab sich direkt auf den Weg nach München, als er von immer schlechter werdenden Gesundheitszustand seines Vaters erfuhr. Seit heute Morgen ist 

München trauerbeflaggt. Die ganze Stadt wird mit Trauerdekoration versehen. Prinz Rupprecht, Enkel des verstorbenen, informierte in Abwesenheit seines Vaters Ludwig den deutschen Kaiser, den österreichischen Kaiser sowie alle weiteren inländischen und ausländischen Souveräne über den Tod des Großvaters. Es wurde dreimonatige Hof- und Landestrauer angeordnet. 

Prinzregent wird am 19. Dezember in der Theatinerkirche beigesetzt.