11. Dezember

im Adventskalender

Ludwig I. und die Torwache

Während König Ludwig I.  Bayern regiert, konnte es schon mal geschehen, dass man ihm höchstpersönlich mitten in seiner Hauptstadt begegnete. Er schlenderte gerne zu Fuß durch die Münchener Straßen.

Allerdings war Ludwig I. während dieser Spaziergänge nicht augenscheinlich als König zu erkennen. Dazu muss man wissen, dass er ausgesprochen geizig war, wenn es um private Ausgaben ging - Er neigte  auch gegenüber seiner gesamten Familie zu großem Geiz. Ging es allerdings um monumentale Bauwerke saß das Portemonnaie etwas lockerer.  Also lief er viele, viele Jahre in den selben Anzügen herum, die nach einiger Zeit zwar nicht schäbig, jedoch einen  abgetragenen Eindruck erweckten. Trotz seines einfachen äußeren Erscheinungsbildes stand es für den König außer Zweifel, dass ihn die Bevölkerung Münchens erkenne. Aber da hatte er sich ein wenig getäuscht.

Als er eines Tages am Wachposten vor der Türkenkaserne 

vorbeikam, salutierte der diensthabende Soldat nicht vor ihm. Dem König gefiel dieses respektlose Benehmen überhaupt nicht.

"Warum salutierst du nicht?", rief der König.

"Vor wem denn?" erwiderte der Soldat.

"Ich glaube gar, du erkennst nicht einmal deinen Brotherrn?" sagte der König weiter.

"So, so. Sie sind der Bäcker vom Türkengraben der uns immer so schlechtes Brot schickt! Vor dem sollt ich salutieren? Das könnt mir einfallen." 

Diese Antwort amüsierte den König so sehr, dass er nicht weiter mit dem Soldaten diskutierte und mit einem Lächeln auf dem Gesicht seinen Spaziergang fortsetzte.