10. Dezember

im Adventskalender

"Was hab ich hinten und meine Frau vorn?"

Im Jahr 1777, als Bayern noch ein Kurfürstentum war, geschah etwas schreckliches. Kurfürst Max III. Joseph starb ohne Nachkommen. Die bayerische Linie der Wittelsbacher starb mit seinem Tod aus. 

Gott sei dank einigten sich die beiden Wittelsbacher Linien Pfalz und Bayern darauf, sich bei nachkommenlosem Todesfall gegenseitig zu beerben. Somit blieben alle Wittelsbacher Länder auch Wittelsbachisch.

Der Wittelsbacher, der nun plötzlich auch Bayern regierte, war der Pfälzer Kurfürst Karl Theodor. 

Er vereinte nach vielen hundert Jahren fast alle wittelsbachischen Länder unter sich. Das Herzogtum Sulzbach, das belgische Bergen op Zoom, Pfalz-Neuburg mit der Pfälzer Kurwürde, die Gebiete am Niederrhein, Jülich-Berg mit der Hauptstadt Düsseldorf und schließlich und endlich Bayern, mit der bayerischen Kurwürde, standen nun unter seinem Kommando. Karl Theodor war ein Feingeist. Er liebte die Musik, das Theater, die Poesie. Seine Residenzstadt Mannheim führte er zu kultureller Blüte. Die Stars dieser Szenen, wie Mozart oder Voltaire, gingen an seinem Hofe ein und aus. Der Tod seines bayerischen Verwandten kam für ihn wie ein Donnerschlag. Nun musste er, laut Wittelsbacher Hausvertrag, seine Residenzstadt nach München verlegen. Er sollte seine moderne, pulsierende Heimat für immer verlassen und in das, aus seiner Sicht, "hinterweltlerische" München ziehen. Quasi an den A... der Welt. Da er aber nichts dagegen machen konnte, zog er um und versuchte durch einen anderen Schachzug das ungeliebte Bayern wieder loszuwerden. 

Karl Theodor hatte einen Plan. Er konnte Bayern weder verkaufen, noch verschenken. Deshalb wollte er es eintauschen. Ja sie lesen richtig. Der amtierende bayerische Regent wollte Bayern eintauschen. 

 

Am liebsten hätte er die österreichischen Niederlande im Tausch erhalten. Aber dieses Geschäft wurde immer wieder durch Störfeuer aus Preußen und aus den eigenen Reihen vereitelt. Jedoch gab er dieses Ansinnen nicht auf. Er träumte von einem eigenen Königreich Burgund. Und da passte Bayern territorial ganz und gar nicht dazu. Die österreichischen Niederlande allerdings schon. Zwei Frauen ist es zu verdanken, dass Bayern wittelsbachisch blieb. Zum einen der Witwe seines Vorgängers, Maria Anna von Sachsen. Sie petzte Karl Theodors Plan beim preußischen König, der dagegen militärisch intervenierte.
Zum anderen Karl Theodors zweiter Ehefrau Maria Leopoldine, die eine eigenwillige Kämpfernatur war. 

Karl Theodors erste Frau, Elisabeth Auguste verstarb 1794 kinderlos. Das verängstigte den Witwer Karl Theodor. Nicht wegen seiner Frau, denn sie lebten schon lange getrennt und hatten nicht viel füreinander übrig. Er hatte Angst, dass seiner Familie dasselbe Schicksal blühe wie einst seinem Vorgänger.

Seine Pfälzer Linie drohte auszusterben. Er beschloss nicht allzu lange zu trauern und schrieb  einen Monat nach dem Tod seiner Frau einen Brautwerbungsbrief an den österreichischen Kaiser. Karl Theodor hatte es sehr eilig. Um seine Gesundheit stand es nicht zum Besten. In den vergangenen 1780er Jahren erlitt er ein paar Schlaganfälle. Darüber hinaus war er mit 70 Jahren nicht mehr der Jüngste. 

Zum Glück für Karl Theodor dauerte die Brautschau  nicht lange. Bereits im Februar des darauf folgenden Jahres heiratete der alte Kurfürst, Erzherzogin Maria Leopoldine von Österreich-Este. Die hübsche Braut war süße 17 Jahre alt. Ja sie haben auch diesmal richtig gelesen. Die Braut war 17. Der Bräutigam 70. Dieser Altersunterschied war auch damals nicht normal. So gab es viel Getuschel und Getratsche, das auch an des Kurfürsten Ohren geriet. Das Getratsche störte ihn keineswegs. Er witzelte sogar 

 

darüber.

Nach seinem 71. Geburtstag  soll er während eines Diners gefragt habe: "Was habe ich hinten und meine Frau vorn?" Als keine Antwort kam lachte er: "Na die 1! Sie ist 17 ich 71" 

Maria Leopoldine war anfänglich mehr als verschreckt, ja verstört. Sie fühlte sich von ihrer Habsburger Verwandtschaft verraten und verkauft. Es gab mehrere Gründe warum sich Karl Theodor für sie entschied. Erstens war sie jung und gesund. Er hoffte auf zahlreiche Nachkommen für seine vom aussterben bedrohte Linie. Zweitens kam er so mit seinem Tauschpartner Österreich wieder in Kontakt. Der Kurfürst hoffte einfach immer noch, dass sein Königreich Burgund irgendwie zustande käme. Maria Leopoldine dachte aber gar nicht daran sich ihrer "Aufgabe" zu stellen und verweigerte jeglichen körperlichen Kontakt zu ihrem Ehemann. Wie ihre Ehe weiterging und wie Maria Leopoldine dazu beigetragen hat, dass Bayern das wurde was es heute ist, das erzählen wir in einer anderen Geschichte!

Karl Theodor wurde heute vor 294 Jahren geboren.