21. Dezember

im Adventskalender

Die Gschicht von unsrer Christbaumspitz

vom Nürnberger Mundartdichter Franz Bauer

Es is fei wor und is ka Witz, die Gschicht von unsrer Christbaumspitz.

Des wor a scheene Spitz - jawohl, wor außßen silbrig, inna hohl,

drum hot mei Frau sacht: "guter Fritz, gib Obacht auf die Christbaumspitz"

 

I hob do grod in Christbaum putzt und häd mi werkli bald derhutzt 

und wals prässiert hom tut drum ebn, lang ich mit meiner Hend daneben.

Der Mensch macht manchmal sedda Schnitz und drunten licht´s die Christbaumspitz.

 

Mei Frau, die wor do nit zu Stell, drum hob i denkt do handelst schnell.

Die hinterer Seitn wor lediert, die hob i gscheit mit Leim ogschmiert, 

hob´s wieder nauf pappt auf ihrn Sitz, gleich hie an Baum, die Christbaumspitz.

 

Wer´s gwißt hätt, der hätt´s deitli gsehn, doch i hob gor nix gsacht deswegen.

Bloß bei der Bescherung, do wars dumm, mir stenga um den Christbaum rum

und wie mei Frau singt  "einsam wacht"  do hot´s auf amol so komisch kracht.

I merk, wie ich ganz plötzli schwitz, am Boden lichts´s die Christbaumspitz.

 

Ich bloß mit der Axel zuckt und hob an der Kravattn gruckt.

Hob gsacht:" do dro is Schuld etz fei derbei ner bloß dei hoche Singerei.

Die kräftigen Tön, die hom´s zerhaut, warum pläkst a immer gor so laut,

du schnullst a viel Lakritz, sichst, etz is hie die Christbaumspitz."

 

In Wirklichkeit is anders gwest. Der Leim, der hot si langsam glöst

und hot halt nimmer a so pappt, drum hot die Spitz sich glockert ghabt - 

und Schuld dro wor die Ofenhitz und ich an dera Christbaummspitz.