18. Dezember

im Adventskalender

Diner mit Kühen

König Max II. war ein passionierter und exzellenter Jäger. Er machte oft tagelange Jagdausflüge in die Berge Bayerns. Die zahlreichen königlichen Berghütten, die es  zum Teil heute noch gibt, zeugen von dieser Leidenschaft.

Einer dieser Ausflüge führte ihn auf das Plumser Joch. Es war ein wunderschöner sonniger Julitag. Trotzdem war auf den Bergen über Nacht Schnee gefallen. An diesem Tag war geplant auf dem Rücken des Jochs mit einer grandiosen Aussicht zu dinieren. Natürlich speiste ein König auf einem solchen Ausflug auch königlich. Wohl nicht immer, aber schon hin und wieder reiste dann extra ein Mundkoch mit Helfern, Equipment und Tafelgeschirr an. Vor Ort engagierte man Träger , die die Küchenutensilien samt Gewürzen, Fleisch, Fisch, Butter, Gemüse, Obst und  den Nachspeisen auf den Berg trugen. Der Mundkoch mit seinen Gehilfen hinterher. Diese wanderten ebenfalls auf den Berg, nur viel früher als seine Majestät und dessen Begleiter. Die Küchencrew sollte ja fertig sein, wenn die hohen Häupter erschienen. Eigentlich war vorgesehen, das Diner im Freien stattfinden zu lassen. Wegen dem vielen Schnee, der dank der Julisonne zu schmelzen begann, wurde dies unmöglich.
In der Nähe des erwählten Punktes befand sich eine kleine Sennerinnenhütte, die Plumseralpe. Deren Kochstelle wurde kurzerhand zur Hofküche umfunktioniert. Das größere Problem war allerdings der sehr beschränkte Platz in der Hütte. Kochen konnte man darin, nur war es  zu eng um auch  die königliche Tafel  aufzubauen. Es gab nur eine Lösung: Den angrenzende Stall.
Die verdutzen Kühe wurden aus ihrer warmen Behausung verbannt, der Boden gekehrt und so gut es eben ging vom Kuhmist gesäubert. 

Man streute frisches Heu ein. Die Wände wurden kunstvoll mit Latschenkieferzweigen und Alpenrosen dekoriert. Der einzige Zugang zu dem fensterlosen Raum war eine niedrige Tür, durch die gerade einmal eine Kuh aufrecht gehen konnte. Es war gar nicht so dunkel wie man vielleicht meinen mag. Durch die unzähligen Löcher im Dach fielen die hellen Sonnenstrahlen in das KuhstallspeisezimmerTisch und Stühle wurden improvisiert. Zum Tisch wurde die Stalltür, die man auf Klötze stellte. Lange Bretter auf Klötzen wurden zu Sitzbänken. Die Sitzbänke wurden so jedoch ein wenig höher als der Tisch. Also ragten die Knie der Speisenden über die Tischplatte.  Die Teller mussten zum Essen hochgehalten werden. 

Der Tisch war reich gedeckt mit dem königlichen Porzellan, silbernen Bechern und Silberbesteck. Vor jedem Gast stand die eigenhändig und kunstvoll geschriebenen Speisekarte. Was kochte nun Mundkoch Johann Rottenhöfer auf diesem abenteuerlichen Ausflug? Als Vorspeise wurde Reissuppe mit Huhn, dann Forellen mit neuen Kartoffeln, im Anschluss ein Rinderbraten mit Sauce, Koteletten mit neuen Erbsen und Bohnen, Rehziemer in Lorbeerblätter gebraten und zum Nachtisch Schmarrn à la Plumersalpe, Erdbeertorte, Kirschen, Melonen und Konfekt.  Zum abschließenden Mokka zündete sich der Monarch hoch oben auf dem Berg eine echt Havanna Zigarre an, die er vom bayerischen Konsul in Havanna geschenkt bekommen hatte. Welch exquisiter Genuss auf fast 2000 Meter Höhe. Die Getränke ließen ebenso nicht zu wünschen übrig. Man kredenzte Wein, Champagner und natürlich Bier aus dem Hofbräuhaus. Das Wasser bedurfte der besonderen Zubereitung, denn der Brunnen war zugefroren. Es wurde kurzerhand Schnee geschmolzen. Zudem war es wohl  nicht allzu warm in der Hütte. Die Herren saßen in ihren dicken Mäntel mit Decken auf dem Schoß zu Tisch und froren trotzdem. König Max II. und seinen Begleitern blieb es ein unvergessliches Diner hoch oben in den Bergen. Laut Überlieferung genossen sie es in vollen Zügen. Für allerlei Belustigung sorgten die maulenden Kühe bis zum Ende des Diners. Diese muhten laut über ihre Ausquartierung und versuchten sich immer wieder Zutritt zu verschaffen. Die servierenden Diener hatten alle Hände voll zu tun, die beleidigten Rindviecher mit ihren Servietten am Eintritt zu hindern. Wie schade dass damals kein Fotograph dabei war.