17. Dezember

im Adventskalender

"He Du, geh mal her!"

Eines schönen Tages ging König Ludwig I. von Bayern wieder einmal ganz alleine durch seine Hauptstadt München. Er machte sich gern selbst ein Bild von den Geschehnissen und Baustellen. Als er auf einmal hörte:

"He du! He du da!"

Erst fühlte sich der König nicht angesprochen und ging unbeirrt weiter. Doch die Rufe hörten nicht auf.

"He du! He du mit dem Anzug. Jetzt hör halt!"

Da drehte der König seinen Kopf in die Richtung des Rufenden. Und wieder ertönte es:

"He du, geh mal her!"

Es war ein Bauer, der auf seinem Wagen saß. Die Zügel seines vorgespannten Ackergauls in den Händen. Ludwig sah sich um, aber es war nur er da, den der Bauer hätte meinen können. Da rief er wieder: "Mei, jetzt geh halt her. I bitt di!"

Der anfängliche Zorn des Königs verflog und er schritt auf den Bauer und seinen Wagen zu. 

"Mei endlich," sagte der Bauer als der König in die Richtung des Wagens ging.

"Wo geht's denn do noch Loam?"

"Ich habe Sie leider nicht verstanden!" entgegnete der König.

"Wos do noch Loam geht, wui i wissen!" 

 

Ein Angestellter des Hoftheaters, der gerade in die Straße des Geschehens einbog, sah sich die Situation erst aus ein paar Meter Entfernung an. Der König erkannte ihn schon von Weitem und bat:

"Gut, dass Sie hier vorbeikommen. Ich verstehe leider nicht, was der Herr hier von mir will. Können Sie uns bitte helfen." 

Der Mitarbeiter des Hoftheaters kam näher und fragte den Bauer was er denn wolle.

"Noch Loam wui i! Der hod mia ned heifa kenna", und deutete auf den König.

"Ich bitte dich!" sagte der Hofbedienstete."Du sprichts hier über seine Majestät."

"I kenn koa Maiessett!" entgegnete der Bauer wieder.

"Das ist Seine Majestät der König von Bayern!" sagte der Hofbedienstet mit Nachdruck und nickte in die Richtung des Königs. Da hatte der Bauer verstanden mit wem er es zu tun hatte. Er wollte sich verbeugen und sprang dazu so abrupt auf, dass er das Gleichgewicht verlor und rücklings auf die Landefläche seines Wagens landete. Im Flug hörte man noch

"Mei entschuldigens Majestät , aber …"

Der König aber lächelte nur, zog seinen Hut zum Gruße und ging wieder seiner Wege.