Anekdoten

Augen- und Ohrenzeugenberichte

Mit diesem Artikel möchten wir die Rubrik " Anekdoten" eröffnen. Auch wenn es aus heutiger Sicht unglaublich erscheint, selbst Könige und Königinnen waren Menschen und in vielen Lebenssituationen nur allzu menschlich. Man findet  diese menschliche Seite selten in Geschichtsbüchern, die sind zugegebenermaßen ein wenig trocken. Gott sein dank stolpert man bei Recherchearbeiten hin und wieder über den ein oder anderen Augen- oder Ohrenzeugenbericht, von denen wir hier erzählen möchten. 

 

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"Herr Kini koa Wei is ned do!"

Der "humorlose" König Max II. von Bayern

Zeitgenössischen Berichten zufolge war König Max II. ein eher schwieriger Charakter, der bisweilen unsicher wirkte, zur Unzufriedenheit neigte und unter Depressionen litt. Er war, im Gegensatz zu seinem leutseliger Großvater und seinem emotionalen Vater, nüchtern und zurückhaltend. Aber auch unstillbar wissensdurstig und bildungshungrig, gerecht, zielorientiert, diszipliniert und strebsam. Humorlosigkeit zählte ebenfalls zu seinen Wesenszügen, glaubt man manchen Quellen. 

Max II. nahm seine königliche Berufung mehr als ernst. Selbst wenn er auf die Jagd ging, durften die Regierungsgeschäfte nicht

leiden. Seine königliche Kanzlei folgte ihm stets. Erforderten es die Umstände, hielt schon mal ein Hofsekretär einen wichtigen Vortrag während einer Jagdpartie.

Für Max II. war es eben von äußerster Wichtigkeit, dass die Staatsgeschäft laufen und nicht ins Stocken geraten.

Die Jagd war seine große Leidenschaft. Er liebte die freie Natur und die frische Luft. Zeitlebens plagten ihn Kopfschmerzen, die auf der Jagd meist schnell verschwanden. 

Der König war ein ausgezeichneter Schütze. Er jagte Hirsche, Rehe und vor allem Gämse. Hi und da auch Füchse, Reiher oder Auerhähne. Die Partien fanden um Oberammergau und Ettal, z.B. auf dem Pürschling oder Brunnenkopf statt. Ebenso um  Hohenschwangau,  in Buching oder auf dem Tegelberg, um Linderhof, in der Vorderriß, sogar rund um Landsberg. Durch seine Begeisterung für die Natur und die Begeisterung seiner Ehefrau Marie für die Berge, wurden viele Fuß- und Reitwege angelegt und ausgebaut. 

Die Jagdausflüge dauerten meist mehrere Tage. Die Gesellschaft, die stets aus mehrerer Herren bestand, wanderte oder ritt von Jagdgebiet zu Jagdgebiet und abends zu den jeweiligen Unterkünften. Nur sonntags wurde kein Tier geschossen. Sonntags besuchte der König mit seinen Herren eine Messe in der Ortschaft, in der er sich gerade aufhielt. 

Über eine solche Messe in der Vorderriß wird sich das Folgende erzählt:
Der König saß bereits mit seinen Kavalieren in der kleinen Dorfkapelle. Ein Franziskanermönch sollte die Messe halten. Auf einmal kam ein  junger Ministrant  etwas schüchtern und verlegen auf den König zu und flüsterte ihm ins Ohr: "Herr Kini, koa Wei is ned do".
Der König verstand den kleinen Jungen erst nachdem dieser sein Anliegen wiederholte. Die anderen Anwesenden hielten den Atem an. Man war gespannt wie der König reagieren würde. Flüsterte ihm doch nicht jeden Tag jemand etwas ins Ohr. 

Max lächelte den Jungen an und schickte einen Adjutanten nach dem benötigten Messwein. Der Adjudant konnte den Wein rechtzeitig in die Kapelle bringen. Die Messe war gerettet. 

Von einer Auerhahnjagd auf dem Hochkopf wird eine weitere Begebenheit berichtet, durch die Maximilians angebliche Humorlosigkeit ins Wanken gerät. 

Der König näherte sich in Begleitung des zuständigen Revierjägers gerade einem balzenden Auerhahn. Sie standen nicht mehr weit entfernt.

Jedoch war Seine Majestät im Begriff  einen weiteren Schritt auf den Auerhahn zuzugehen, obwohl dieser gerade nicht 

balzte und somit Augen und Ohren voll geöffnet hatte.

Dies bemerkte der Revierjäger, der unbedingt vermeiden wollte, dass der König mit einem weiteren Schritt, den Auerhahn aufschrecken und verscheuchen könne. Da dachte der hinter dem König stehende Revierjäger gar nicht länger nach und umarmte den Monarchen kurzerhand mit beidem Armen. Erst als der Auerhahn wieder zu balzen begann und sich der König  bewegen durfte, ließ er den hohen Herren wieder los und wurde augenblicklich kreidebleich. Nicht auszudenken was dem armen Revierjäger durch den Kopf ging als er bemerkte, was er da gerade getan hatte. War es doch absolut ausgeschlossen eine königliche Hoheit zu berühren, ja sogar zu umarmen. 

König Max II. nahm dem Revierjäger diese Handlung  ganz und gar nicht übel. Er erzählte sogar noch lange davon.

Ob er den Auerhahn schießen konnte, ist allerdings nicht überliefert. 

 

Dieser anscheinend doch nicht so ernste und humorlose König wurde heute vor 207 Jahren geboren. 

Herzlichen Glückwunsch Majestät.



In der Zeit als die Münchener Residenz noch kein Museum war, lebte darin die bayerische Königsfamilie.

Jedoch natürlich nicht alleine.  Viele Bedienstete und Mitglieder des Hofstaats hatten hier ebenso ihren festen Wohnsitz. Hofdamen, Kammerherren, Obersthofmeister usw. wohnten  mit den hohen Häuptern unter einem Dach. 

Auch die Obersthofmeisterin von Königin Therese, Gräfin Gravenreuth.

Aufgrund ihrer Stellung hatte sie ihre Wohnung direkt über den Räumen der Königin. Als Obersthofmeisterin bekleidete sie das höchste Amt im Hofstaat Ihrer Majestät. Sie war die erste Dame von Therese und koordinierte ihre Termine, genauso wie die Aufgaben der Bediensteten. Somit hatte sie täglich alle Hände voll zu tun. Die Informationen, die sie erhielt galten aufgrund ihrer Position als "heiße Ware" und waren sehr begehrt im gesamten Hofstaat. 

Die Appartements der Königin verband eine schmale Treppe mit denen der Gräfin, so dass die Obersthofmeisterin immer schnell zur Stelle und zu Diensten sein konnte.  

Nur gab es mit der Wohnung der Gräfin ein Problem. Sie bestand aus einem langen Saal, den man einfach mit zwei Holzwänden in drei kleinere Zimmer unterteilt hatte. Allerdings hatten die Handwerker wohl nicht richtig ausgemessen, denn die Zwischenwände reichten nicht bis zur Decke hinauf. Ein  Spalt von etwa einem Meter klaffte zwischen Wand und Decke, so dass man sich in keinem Raum vertraulich unterhalten konnte, da man in den angrenzenden Zimmern jedes Wort hören konnte. 

Das erste der drei "undichten" Zimmer diente als Vorzimmer und fungierte als  Refugium des Kammerlakaien der Gräfin. Der "lange Hans", wie sie ihn nannte, war  ein regelrechtes "Waschweib". Sobald Ihre Excellenz Besuch bekam, klebte er förmlich an den Wänden um alles mitzubekommen. Er benötigte immer neuen Klatsch und Tratsch, den er verbreiten konnte. 

Der Gräfin war dieser Umstand irgendwann einfach zu blöd. Sie wollte sich ungestört mit ihren Besuchern, unter denen ja auch hi und da die Königin war, unterhalten können. Also ließ sie sich, von ihrem eigenen Geld, ein kleines Häuschen aus Glas bauen, das im  aller letzten "undichten" Zimmer aufgestellt wurde.  In diesem Glashaus platzierte sie ihr Sofa, ihren Schreibtisch und eine Kommode. Erhielt sie nun Besuch hatte der "lange Hans" keine Chance. Das Gesprochene blieb da wo es hingehörte. Im Glashäuschen. Man kann sich durchaus vorstellen, wie die Reaktion des untergebenen Lakaien ausfiel, als er zu seinem  Entsetzen dieses Häuschen zu Gesicht bekam. 

Das neue "Zimmer im Zimmer" barg nämlich noch einen weiteren, sehr unangenehmen Nachteil für den Diener. Die Gräfin erhielt täglich etwas Konfekt, zwei große Kerzen und  Wein. Jedoch benötigte sie diese Dinge  nie vollständig. Jedes Mal wenn sie die Präsente am nächsten Tag jemandem anders zukommen lassen wollte, hatte sie sich der "lange Hans" schon unter den Nagel gerissen. Zumindest verhielt es sich so bis sich die Gräfin dieses gläserne Zimmer einbauen ließ.

Um ihre Zuwendungen zu schützen, erhielt das Glashaus auch noch eine abschließbare Tür. Wie mag es anders sein, alle Dinge, die sie am einen Tag nicht verbrauchte, lagen am anderen Tag noch an Ort und Stelle und konnten von ihr verschenkt werden. 

 

Bei unseren Recherchen stoßen wir immer wieder auf solche Geschichten am Hofe. Klatsch und Tratsch sowie Ränke gehörten zur  Tagesordnung. So märchenhaft mag das Leben am Königshof wohl nicht gewesen sein.

 


Wir beginnen die kleine Themenreihe mit König Ludwig I. von Bayern.

Er besaß, wie wir bereits in einem vorangegangenen Artikel erwähnt hatten, nicht den einfachsten Charakter. Er war cholerisch und schwerhörig, was Unterhaltungen mit ihm schwierig gestaltete. Er ließ nur ungern Widerworte zu. 

Ludwig I. konnte auch anders. Er hatte Witz. Nun ja ... zugegeben auf Kosten anderer, aber das lässt uns einen Blick in die wirkliche, ungeschönte Welt des Königshofes werfen.

Der bayerische Königshof war, wie übrigens die meisten Königshöfe der Welt, ein verratschter und geschwätziger Haufen. Unter den Lakaien, Hofdamen, Dienern etc. ging es vor allem darum, den neuesten Klatsch und Tratsch herauszufinden, Gegenspieler auszubooten und ihnen diverse große und kleine Fettnäpfchen in den Weg zu stellen. Rangeleien an allen Ecken und Enden in der nach außen so makellosen Welt. Vielleicht musste man am Hof eine gewisse Schadenfreude beziehungsweise eine Art Witz entwickeln, um unbeschadet durch den Tag zu kommen. 

Es wird sich erzählt, dass gerade König Ludwig I. eine ganz besondere Schlagfertigkeit entwickelt hatte. 

 

So berichtet der Staatsdiener Max Joseph von Escherich in seinen Aufzeichnungen über den König unter anderem von der folgenden Begebenheit:

Ein neureicher Hofbankier bat den König um einen Grafentitel und die Verleihung des Namens "von Andechs". Das gefiel dem König  gar nicht, da das ausgestorbene Andechser Geschlecht nahe mit den Wittelsbachern verwandt war. Dadurch entstand der Anschein, als ob der Bankier  schneller höher kommen wollte, wie es ihm zustand. König Ludwig I. entgegnete dem Hofbankier: "Ich bin nicht geneigt, Sie zum Grafen von Andechs zu erheben, wollen Sie aber durchaus Graf werden, so will ich Ihnen den Namen "Podex" verleihen. 

 

Auch die direkten Hofbediensteten fielen seinen Sprüchen mehr als  einmal zum Opfer. Die erste Hofdame seiner Frau hieß Baronin Mantel. Eine sehr sparsame Person (Was ja Ludwig eigentlich gefallen sollte, da er als sparsam galt).

Zu jedem großen festlichen Anlass in der Residenz erschien sie in demselben gelben Atlaskleid. Bei einem Galaabend bei Hof, ging der König auf sie zu, klopfte ihr auf die Schulter und sagte: "Mantel, der gelbe Atlas findet nun schon allein zum Hof!"

 

Während eines Konzerts setzte sich dieselbe Baronin Mantel aus purer Bosheit auf die Noten einer Opernsängerin. Daraufhin schrie König Ludwig wohl: "Stehen Sie auf Mantel, stehen Sie auf! Diese Noten sind nichts für Blasinstrumente!" 

 

Am besten zeigt sich die Haltung Ludwigs gegenüber den Machtspielen am Hof, wenn man die folgende Episode hört:

Zwei Bedienstete standen im Hofgarten und unterhielten sich darüber, dass ein General verstorben sei und wer sich nun alles über eine Beförderung freuen konnte. Da tippte der König dem einen von hinten auf die Schulter. Er hatte wohl das Gespräch mit angehört und entgegnete: "Habens ganz recht, habens ganz recht! Sind wie die Meerschweinchen die Menschen! Steckt immer eines dem anderen den Rüssel in den A..., um sich hinaufzuschieben! Adieu, meine Herren, adieu!" 

 

Auch die Hofbediensteten machten es sich untereinander nicht leicht. Rangkämpfe und Bespitzelungen gipfelten in Intrigen und Machtkämpfe. Aber das ist eine andere Gschichte!